167. Postal
(Postal) USA/CAN/D 2007 R: Uwe Boll
(g. a. 22.5.2008)
D: Zack Ward, Dave Foley, Chris Coppola, Jackie Tohn, Chris Spencer, Ralf Moeller, Larry Thomas, Erick Avari, J. K. Simmons, Verne Troyer, Michael Paré, Brent Mendenhall, Michael Benyaer, Seymour Cassel, Uwe Boll, Carrie Genzel
B: Endlich ist mir klar, was Dr. Boll mit dem ganzen Nazigold, welches er offensichtlich besitzt, angestellt hat. Er hat ein Team von einfallsreichen Autoren beschäftigt, die sich zusammen das ausgedacht haben, was letztlich zu „Postal“ wurde. Und er hat soviel bezahlt, dass diese sogar auf die Nennung ihrer Namen verzichteten, und er somit alles unter seinem Namen veröffentlichen konnte. Na jedenfalls fällt es nicht ganz so leicht zu glauben, dass er es ganz allein ausbaldowert hat, aber anscheinend steckt doch mehr in ihm, als man bisher geglaubt hat bzw. man ihm aufgrund seines bisherigen Schaffens zugetraut hat.
Hat mir wirklich gut gefallen, war satirisch und komisch. Die Geschichte an sich vllt. nicht wirklich komplett ausgearbeitet und an einigen Stellen finde ich es too much, aber hey, er sollte auch auf ganzer Linie übertrieben sein und das ist auch gut so, und da geht er natürlich für den ein oder anderen Zuschauen mal zu weit, das ist okay.
Insgesamt bekommen sehr viele Seiten ihre Hiebe, und die haben sie sich auch verdient. Sehr schön auch manche Kleinigkeiten, so z. B. die Aufschrift an der Tür zum Taliban-Versteck ("Kein Zutritt für Ungläubige"), oder auch sehr amüsant fand ich, was unter dem "Little Germany"-Park-Eingangsschild stand. Ja und schließlich nimmt sich der Regisseur höchstselbst ganz genüsslich auf's Korn und beweist, dass er durchaus über sich selbst reflektieren und sich zum Objekt des Spotts machen kann.
Sicherlich kann man darüber streiten, inwieweit es passend oder gar "belustigend" ist, Kinder zu erschießen oder sich über Ereignisse wie die WTC-Anschläge oder die Untaten zur Zeit des Dritten Reichs auszulassen (u. a. "Dr. Mengeles first aid"). Aber wie es in einem weisen Spruch heißt: Komödie ist Tragödie plus Zeit. Und ich finde, es wird hier nicht in einer herablassenden Art und Weise zu Werke gegangen, sondern in einer akzeptablen Form und es sollte das Recht sein, sich gewisse Gedanken über alles machen zu dürfen, und diese auch, bewusst überspitzt, darzulegen. Alles andere geht schon in Richtung Zensur und entspricht nicht dem Bild der freien Welt, dass gerade die U.S.A. so gerne bewahren und "verteidigen" wollen.
Insofern sehr schade, dass der Film gerade dort, wo er vllt. sinnvollerweise hingehört, nicht gesehen wird. Aber die Ablehnung des Films durch die dortigen zuständigen Stellen ist letztlich nur Armutszeugnis und gibt dem Film ungewollt recht.
Benot.: 7,5/10
Pass. Song: Hmmm, schwierig was geeignetes zu finden. Eine Band sollte einen passenden Song zum Film machen... naja, so was wird es wohl niemals geben... bis dahin: „Onprangering“ von Die Ärzte


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