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Thema: Why so curious ?

  1. #211
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    Re: Dies ist vielleicht das Buch, in dem Sie lesen werden !

    207. El día de la bestia
    (El día de la bestia); E/I 1995; von Álex de la Iglesia

    (28.9.2008)
    Mit: Álex Angulo, Santiago Segura, Armando de Razza, Tesele Pávez, Nathalie Seseña, Maria Grazia Cucinotta, Gianni Ippoliti



    Eine sehr interessante Grundidee wird uns da präsentiert. Ein Provinz-Priester (der natürlich wie passend Ángel heißt) hat im Rahmen seines Studiums eines bestimmten Bibel-Textes herausgefunden, dass darin die Geburt des Antichristen prophezeit wird und per Code der genaue Tag dieses Ereignisses herauszulesen ist, der 25.12.1995 soll es sein. Um die Welt vor der drohenden Apokalypse zu retten, will Ángel nun sich selbst und seine Seele dem Teufel opfern. Dazu begibt er sich zunächst nach Madrid, wo das Verbrechen blüht, und so fällt es auch gar nicht so sehr auf, wenn er selbst kleine Unchristlichkeiten begeht, um sich damit das Vertrauen des Teufels zu erarbeiten. Nix ganz böses zunächst, klauen eines Koffers, Ladendiebstahl, leichte Körperverletzung, er übt ja noch. Um nun weiterzukommen sucht er zunächst Hilfe in versteckten Botschaften von Death Metal-Platten und lernt so den etwas einfältigen und diversen Drogen nicht abgeneigten José María kennen. Schließlich macht er sich daran mit Professor Cavan in Verbindung zu treten, einem zwielichtigen Fernsehprediger und Moderator einer TV-Show rund um okkulte Themen. Zusammen mit dessen (nicht ganz freiwilliger) Hilfe inszeniert der Padre dann eine Teufelsbeschwörung, mit improvisierten Zutaten und einer nicht ganz folgenlos bleibenden Beschaffung von echtem Jungfrauen-Blut. Doch das ist erst der Anfang...

    Joa und so sehr diese Idee und die teilweise Umsetzung auch gefallen kam ich mit dem Stil letztlich nicht ganz klar. Dass es auch einige ansatzweise komische Momente hat, ist ja kein Problem, aber teilweise wird das in bester Slapstick-Manier zelebriert die man sonst eher von de Funès-Filmen gewöhnt ist. Und so spannend es auch stellenweise war, richtiges Horror-Feeling wollte nicht aufkommen. Auch ist das Handeln der Personen teilweise nicht nachvollziehbar, erst wollen sie den Teufel erscheinen lassen, und als es plötzlich bedrohlich an die Türe hämmert fliehen sie ängstlich, und ähnliches mehr, auch das erinnerte an eine unausgegorene Komödie aus Frankreich der 70er und 80er Jahre.

    Kann einerseits nachvollziehen, dass dieser Film ob seiner Art auch viele Anhänger hat, aber mein Fall ist das nicht ganz.

    6,5/10

    Pass. Song: „Wish you were here“ von Pink Floyd
    Es kracht, es zischt, zu seh'n ist nischt

  2. #212
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    Re: Dies ist vielleicht das Buch, in dem Sie lesen werden !

    208. Anamorph - Die Kunst zu töten
    (Anamorph); USA 2007; von Henry Miller

    (2.10.2008)
    Mit: Willem Dafoe, Scott Speedman, Peter Stormare, Clea duVall, James Rebhorn, Amy Carlson, Yul Vázquez, Don Harvey, Paul Lazar, Edward Hibbert



    Serienkiller-Filme mag ich ja grundsätzlich sehr, die meisten davon laufen nach dem Muster ab, dass die ersten beiden Drittel spannend aufgebaut sind und einen mitfiebern lassen, und die Auflösung ist dann meist mehr schlecht als recht geraten und man bleibt etwas enttäuscht zurück.

    Dieser Film ist da anders, denn er ist schon in den ersten beiden Dritteln überwiegend uninteressant. Und hofft man dass eine wenigstens halbwegs gelungene Auflösung ihn wenigstens noch retten kann, muss man am Ende sagen: nein ! Die Auflösung ist noch mal eine Stufe dämlicher als der Rest.

    Vielleicht hätte mich der Film mehr mitgerissen, wenn ich ein ausgesprochener Kunstkenner wäre, wie die von Peter Stormare dargestellte Figur, aber das muss ich verneinen.

    Vielleicht bin ich auch einfach zu doof dafür, denn die wirkliche Intuition des Killers habe ich nun eben so wenig verstanden (werden ja zwei theoretische Möglichkeiten über den Film hin entwickelt, aber welche nun die Richtige ist wurde nicht aufgelöst), wie die Art und Weise wie die Speedman-Figur plötzlich allem auf die Schliche kommt und so seinen Kollegen gerade noch retten kann.

    Faszinierend ist hingegen diese Sache mit der anamorphen Kunst. Ein Bild so zu malen, dass es aus verschiedenen Perspektiven zwei unterschiedliche Motive zeigt... dass so was möglich ist, geschweige denn wie man das anstellt ist zuviel für meinen kleinen Geist, vor solchen Künstlern habe ich wirklich Hochachtung, auch wenn ich ansonsten eher ein Kunst-Banause bin (zumindest was das mehr oder weniger sinnvolle aneinanderreihen von Farben und Formen auf Leinwand und ähnliches betrifft).

    Scheint wie ein müder Sieben-Abklatsch zu sein, bei dem der Killer mit seinen Opfern möglichst heftiges anstellt um so den Zuschauer zu schocken, doch dahinter ist dann nicht wirklich viel. Die Dafoe-Figur hat sicher ihre interessanten Facetten, mehr aber nicht. Und diese Begegnung mit der Nachbarin sollte wohl die Anonymität der Großstadt an- und bedeuten... na herzlichen Glückwunsch, einfach mal ein gängiges Klischee mehr angerissen ohne es substanziell weiterzuführen.

    Die Lehre aus dem Film: Dafoe sollte privat niemalsnienicht mit so einer Frisur rumlaufen.

    4,5/10

    Pass. Song: „The look“ von Roxette
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  3. #213
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    Re: Dies ist vielleicht das Buch, in dem Sie lesen werden !

    209. Das Leben der Anderen
    (Das Leben der Anderen); D 2006; von Florian Henckel von Donnersmarck

    (3.10.2008)
    Mit: Ulrich Mühe, Sebastian Koch, Ulrich Tukur, Martina Gedeck, Thomas Thieme, Hans-Uwe Bauer, Volkmar Kleinert, Matthias Brenner, Charly Hübner, Marie Gruber, Hinnerk Schönemann, Volker „Zack“ Michalowski, Herbert Knaup



    Mag ja „Filme passend zum Datum“ sehr. An Halloween gerne was gruseliges und zum 3. Oktober eben diese oscarprämierte Auseinandersetzung mit dem deutsch-deutschen Thema, bzw. einem nicht unwichtigen Teilaspekt davon.

    Man kann ja über die Oscars denken was man will, aber wenn einem deutschen Film diese Auszeichnung zuteil wird (was ja nicht allzu oft vorgekommen ist um es mal vorsichtig auszudrücken), dann will das schon was heißen und so geht man mit entsprechenden Erwartungen an die ganze Sache ran.

    Doch schon recht schnell ist man in dem Film und seiner (im wahrsten Sinne des Wortes) Geschichte gefangen. Was sicher auch am Spiel der Darsteller liegt. Und auch wenn einiges für einen „Unterhaltungsfilm“ dramaturgisch zurechtgebogen scheint, ist es dennoch ein sehr bewegender Film für mich, ob der Beschreibung seiner Hauptcharaktere, der Darstellung der Grundthematik und den Ent- und Verwicklungen.

    Zwar bin ich bei allzustarken 180°-Drehungen eines Charakters skeptisch, weil diese grundsätzlich für mich schwer nachzuvollziehen sind, ähnlich wie bei American history x, gerade auch weil für mich diese Wandlung von HGW bzw. deren Ursache nicht nachvollziehbar war, aber das störte mich dann letztlich dennoch nicht allzu sehr, weil ich es einfach mal so hinnahm und ja auch nicht immer alles verstehen muss.

    Darüberhinaus ist es auch wirklich von allen sehr gut gespielt, gerade die Tukur-Figur. Und dann natürlich Ulrich Mühe… relativ kurz nach dieser beeindruckenden Rolle viel zu früh verstorben und somit fast ein deutscher Heath Ledger. Es ist ja immer ein besonderer Umstand, wenn ein Schauspieler eine Rolle spielt oder innerhalb seiner Tätigkeit Dinge tun muss, die ihm privat sehr widerstreben würden. Das trifft wohl auf alle Film-Mörder zu (wenngleich viele Schauspieler ja immer gerne böse Charaktere spielen). Oder Salma Hayek, die ihre Angst vor Schlangen für From dusk till dawn verdrängte und gleich ein besonders schönes und vor allem stattliches Exemplar herumtrug, und somit den männlichen Zuschauern eine besonders in Erinnerung bleibende Szene bescherte. Aber es geht noch eine Spur extremer, wie der Südkoreaner Min-sik Choi beweist, der für seine Rolle in Oldboy einen lebendigen Kalmar verschluckte, bzw. mehr als einen, weil die Szene nicht nur einmal gedreht werden musste. In seiner Heimat keine allzubesondere Spezialität, aber für ihn als Vegetarier sicher mehr als beachtenswert. (Wobei ich persönlich so etwas nie tun würde, nicht mal für Geld, aber ich bin ja auch kein Schauspieler). Jedenfalls trifft dies auch in vergleichbarer Weise auf Mühe zu. In einem kleinen Städtchen in der Nähe von Leipzig geboren, in Ostberlin lange Zeit lebend, war er eher ein engagierter Regime-Kritiker, soweit dies damals möglich war, und selbst Opfer von Bespitzelungen, wie nach der Wende offenbar wurde. Dass dieser nun den Vertreter der anderen Seite mit soviel Hingabe darstellt, und man ihm die Figur so abnimmt ist sicherlich seiner großen Professionalität geschuldet. Sehr schade, dass ich ihm meine Meinung nicht mehr persönlich sagen kann. Jedenfalls recht beeindruckend für mich, seine Leistung und der Film im Ganzen.

    8,5/10 (mit leichter Tendenz zur 9)

    Pass. Song: „Strangers when we meet“ von David Bowie

    Eine Frage noch an die Berlinkenner, (VJ !?), die Buchhandlung am Ende (wunderbare Szene im übrigen), kann das sein, dass sich diese im Ostberliner Teil auf der Hauptstraße dort befindet (Unter den Linden wenn ich nicht irre !?). Denn wenn ja, dann war ich da mal drin. Das war ca. 1991, bei einem viel zu kurzen Abstecher in die größte Stadt Deutschlands. Von außen kam sie mir jedenfalls sehr bekannt vor !?
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  4. #214
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    Re: Dies ist vielleicht das Buch, in dem Sie lesen werden !

    210. Burn after reading
    (Burn after reading); USA/GB/F 2008; von Ethan + Joel Coen

    (4.10.2008)
    Mit: Frances McDormand, George Clooney, John Malkovich, Tilda Swinton, Brad Pitt, Richard Jenkins, David Rasche, J. K. Simmons, Elizabeth Marvel, Michael Countryman, J. R. Horne, Kevin Sussman, Jeffrey de Munn



    Yeah, Coens are definitely back. Nach einigen eher schwächeren Filmen (wobei dies ja wie bereits erwähnt immer individuelle Geschmackssache ist), haben sie mit No country for old men zu alter Stärke zurückgefunden und nun mit diesem Film hier gleich richtig nachgelegt. Es geht zwar in eine ganz andere Richtung als der oscarprämierte Film, aber dennoch ist die typische Coen-Handschrift nicht zu übersehen.

    Hier lernen wir skurrile Figuren kennen, die herrlich von ihren jeweiligen Darstellern ähm... dargestellt werden. Allein Pitt zeigt, dass er doch auch schräge Charaktere drauf hat, und McDormand ist einfach göttlich. Daneben gefallen natürlich auch Clooney und Swinton und Jenkins und Rasche und Simmons und de Munn... und ja, sogar Malkovich gefällt mir hier ordentlich.

    Das teils stümperhafte Vorgehen der Hauptfiguren ist einfach herrlich. Allein wenn Linda und Chad die russische Botschaft aufsuchen... zum Schreien. Oder auch der „Schaukelstuhl“...

    Ganz klar steht hier das Darstellerische im Vordergrund. Und die Figuren sind auch wirklich ganz großartig in Szene gesetzt. Dazu die schräge Geschichte mit ihren vielen Ausläufern. Ganz groß. Hach, hat mir wirklich sehr gefallen, trotz eines etwas behäbigeren Beginns, aber das passt schon. Zumal es dann spätestens im letzten Drittel richtig Fahrt aufnimmt und mehr als gut unterhält. Der erste Todesfall kommt zwar sehr unerwartet und fast schon heftig ob der bis dahin mehr komödiantischen Grundstimmung, aber es hätte mich doch sehr gewundert, wenn ein Coen-Film ohne Leiche(n) auskommt...

    Und wenn es so oder so ähnlich wie zuletzt weitergeht, kann man sich nur extrem auf neue Coen-Filme freuen, wegen mir gerne jedes Jahr (aber bitte bitte immer mindestens mit McDormand und Jenkins vor der Kamera).



    8,5/10 (mit mittelgroßer Tendenz zur 9)

    Pass. Song: “No control” von David Bowie
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  5. #215
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    Re: Dies ist vielleicht das Buch, in dem Sie lesen werden !

    211. Skagerrak
    (Skagerrak); GB/DK/F/D/S/CH/E 2003; von Søren Kragh-Jacobsen

    (9.10.2008)
    Mit: Iben Hjejle, Bronagh Gallagher, Martin Henderson, Ewen Bremner, Simon McBurney, Gary Lewis, James Cosmo, Helen Baxendale, Scott Handy, Tam Dean Burn



    Das erste Drittel gefiel mir nicht so berauschend muss ich sagen, ging in eine zu dramatische Richtung und ich erkannte wieder, dass Dramen und ich nicht wirklich zusammen passen. Doch dann tritt auch ein komisches Element in den Film ein, dies beginnt ausgerechnet während einer Beerdigungsszene. Und so nimmt die britische Tragikomödie mit dänischem Einschlag ihren Lauf.


    Die Geschichte an sich wirkt einerseits sehr konstruiert aber dennoch nicht wirklich unrealistisch. Die Figuren sind im großen Ganzen relativ sympathisch (abgesehen von Sophie, aber das erledigt sich ja dann recht schnell). Wobei die Entwicklung im letzten Drittel schon in etwa absehbar ist, incl. des Schluss-Gags á la Zärtliche Chaoten.


    Ansonsten sind die drei Männer von der Werkstatt sicherlich das Highlight des Filmes. Der Rest ist teils nett, teils bemüht, nicht wirklich ergreifend.

    B: 5/10

    „Ach du Scheiße, jetzt kommt sie auch noch im Celtic-Trikot !“

    Ich frage mich...: Warum erscheint Thomas Bo Larsen nicht im Cast bei dem Film ? Weder auf imdb noch auf einer dänischen IN-Seite ?
    Edit: Ich kenn die Antwort ! Er macht gar nicht mit, harhar. Peinlich, aber man muss schon sagen, dass sich die Beiden recht ähnlich sehen (siehe hier). /Edit

    Interesting fact: Das (oder auch der) Skagerrak ist ein Teil der Nordsee zwischen der Nordküste Jütlands (Dänemark), der Südküste Norwegens und der Südwestküste Schwedens. Über das Kattegat (Ostseite Jütlands) verbindet es über den Großen und Kleinen Belt und den Öresund die Nordsee mit der Ostsee.
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  6. #216
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    Re: Yearn after reading

    Rolltreppe rückwärts

    212. Schlaraffenland
    D 1999; von Friedemann Fromm

    (12.10.2008)
    Mit: Ken Duken, Daniel Brühl, Tobias Schenke, Tom Schilling, Heiner Lauterbach, Franka Potente, Jürgen Tarrach, Roman Knižka, Susanne Bormann, Denise Zich, Camilla Renschke, Ulrike Kriener, Bernd Tauber, Joe Bausch



    Ein Wochenende lang eingeschlossen in einem großen Kaufhaus, wissend, dass die Überwachungseinrichtungen nicht funktionieren... wer träumt nicht davon !? Also ich wäre sofort dabei (und das, obwohl ich eigentlich nicht zu kriminellen Taten neige).

    Eine siebenköpfige Clique Jugendlicher will diesen "Traum" hier kurzfristig in die Tat umsetzen und lässt sich im Einkaufscenter einschließen. Allerdings kann dies auch ganz schnell zum Abtraum werden, weil eine Gruppe von Wachleuten, angeführt von einem korrupten, gewaltbereiten Alpha-Tier mit ins Spiel kommt, von denen zwei nebenbei auf die vorweihnachtlichen Kaufhaus-Einnahmen im Tresor aus sind, welche sich im siebenstelligen Bereich bewegen.

    Nun prallen diese beiden doch so unterschiedlichen Gruppen aufeinander und als ein Unfall das erste Opfer fordert, eskaliert die Situation und die beiden Seiten schaukeln sich in der Gewaltspirale gegenseitig hoch. Interessanterweise ist jedoch keiner der einzelnen Protagonisten ein durch und durch schlechter Mensch, doch die Umstände und die Entwicklung, die einmal in Gang gesetzt kaum mehr zu stoppen scheint, steigern bei jedem Einzelnen die Gewaltbereitschaft. Anders ausgedrückt, frei nach einem Smoochy-Song „they’re not mean, they’re just adjusting!“.

    Interessant wird das Ganze zusätzlich dadurch, dass einzelne Gruppenmitglieder aus unterschiedlichsten Gründen die Seite wechseln, oder zumindest mit dem „Feind“ stellenweise gemeinsame Sache machen. Insofern sicher eine sehr reizvolle Geschichte, die auch die Funktion von Hierarchien innerhalb von Gruppen sowie deren Fragilität zeigt.

    Filmisch kann man nicht viel bemäkeln. Ebenso die Darsteller, insbesondere die beachtliche Jungschauspieler-Riege (u. a. Brühl, Schenke, Schilling). Außerdem für einen deutschen Film erfreulich wenige „peinliche“ Momente. Sicherlich würden auch einige Kritiker diesen Film zerreißen und ich denke in dem Fall kann ich relativ gut entscheiden, wem ich den Film empfehlen könnte und wem nicht. Mir hat er jedenfalls sehr ordentlich gefallen, zum einen wegen den bereits benannten Gründen und auch weil ich Geschichten mag, die sich innerhalb kurzer Zeit und/oder an einer einzigen Location abspielen.

    7,5/10

    Pass. Song: „Desire“ von U2

    Interesting fact: Die SCS (Shopping City Süd) in Vösendorf (südlich von Wien) ist mit einer Verkaufsfläche von ca. 160.000 m² eines der größten Einkaufszentren Europas. Es umfasst rund 330 Geschäfte mit insgesamt ca. 4.500 Mitarbeitern. Zum Komplex gehört auch ein Parkplatz, mit mehr als 10.000 Stellplätzen. (Es sei noch angemerkt, dass die SCS nix direkt mit dem Film zu tun hat, passt jedoch zum Thema).
    Es kracht, es zischt, zu seh'n ist nischt

  7. #217
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    Re: Yearn after reading

    213. Das perfekte Verbrechen
    (Fracture); USA/D 2007; von Gregory Hoblit

    (12.10.2008)
    Mit: Anthony Hopkins, Ryan Gosling, Embeth Davidtz, Billy Burke, Cliff Curtis, David Strathairn, Rosamund Pike, Bob Gunton, Fiona Shaw, Josh Stamberg



    Dieser Film lebt vor allem durch das Duell der beiden durch Hopkins und Gosling dargestellten Hauptfiguren. Wenn man diese Grundsituation annimmt, kann man sehr gut unterhalten werden, wenn nicht wird es wohl schwierig in den Film reinzufinden.

    Beide Hauptprotagonisten verbindet ein überdurchschnittlich stark ausgeprägtes Ego. Wird dieses gekränkt oder in Frage gestellt, hat dies teils drastische Folgen. Die Ermordung der untreuen Ehefrau durch Crawford ist dabei natürlich der dramatische Höhepunkt als Folge verletzter Eitelkeiten. Doch es ist keine Affekthandlung, sondern eine sehr sorgfältig geplante Tat, deren gelingen hauptsächlich auf den juristischen Lücken und Schlupflöchern basiert. Somit scheint es tatsächlich das perfekte Verbrechen zu sein, nicht, weil man Täter und Opfer nicht in Verbindung bringt, der vermeintliche Verdächtige ein wasserdichtes Alibi hat oder gar ein Motiv fehlt, nein, weil faktische vor Gericht verwendbare Beweise fehlen und weil im Zuge der Ermittlungen Formfehler begangen wurden, die schwerer wiegen als Schuld oder Unschuld. Doch in seinem Allmachts-Wahn macht Crawford einen entscheidenden Denkfehler, der trotz dessen Genauigkeit nicht unlogisch ist, denn oft sieht man wirklich den Wald vor lauter Bäumen nicht und ist so in eine Sache verrannt und von ihrer Richtigkeit überzeugt, dass man doch einen kleinen Riss übersieht, der das ganze Konstrukt zum Einsturz bringen kann.

    Interessant ist hier, dass ich lange eine nicht zu definierende Sympathie für den Täter Hopkins empfand, bzw. möchte ich es so formulieren, wäre er mit seiner Tat letztlich wirklich davon gekommen, hätte ich es problemlos akzeptieren können (rätselte auch eine gewisse Zeit, ob es ihm denn schlussendlich gelänge). Kann gar nicht genau sagen weshalb, es ist kein „er ist ja eigentlich der Betrogene“ oder gar „sie hat’s ja nicht anders verdient“, nein, darum geht es nicht. Richtig war seine Tat keineswegs, aber ein wenig scheint man doch auch Leute zu bewundern, die dem System und den Menschen die an dieses Glauben zeigen, dass es doch nicht so perfekt ist. Und man bewundert ein Stück weit auch seine Raffinesse. Wenngleich selbstredend dies nicht seine Tat beschönigt oder gar entschuldigt. Vielleicht liegt es auch daran, dass sein direkter Gegenpart doch auch ein ziemlicher Unsympath ist, dem man den Misserfolg förmlich wünscht. Jedenfalls von beiden Hauptdarstellern eine ordentliche Leistung.

    Wunderbar ist auch Crawfords Verhalten vor Gericht, sich seiner Sache innerlich dermaßen sicher, und alle anderen drumherum, wiederum der Klarheit seiner Schuld und seiner Verurteilung nicht im Mindestmaß zweifelnd, ahnen nicht, welche Asse er im Ärmel hat (während es der Zuschauer ahnt und fast freudig wartet, wann und in welcher Form er diese ausspielt). Besonders schön die Szene in der ersten Begegnung zwischen Crawford und Beachum bei der Vorverhandlung. Als Crawford Beachum mittels einer kleinen Geste das erste Mal manipuliert (die Sache mit der Fliege).

    Wirklich ein sehr gutklassig produzierter, größtenteils spannender Film, der vor allem durch das Spiel und die Präsenz seiner beiden Hauptakteure lebt. Auch wenn er in der zweiten Hälfte ein wenig verliert (abgesehen vom „Showdown“) aber aus nicht genau zu definierendem Grunde doch nicht alle meine Gutfindrezeptoren trifft.

    7/10

    Pass. Song: „...And justice for all“ von Metallica

    Interesting fact: Der Rechtsgrundsatz ne bis in idem, in den USA auch als “Double jeopardy” bezeichnet, besagt, dass ein einmal gefasstes Urteil den darin verhandelten und entschiedenen Straftatbestand abschließt. Dies bedeutet, dass niemand zweimal wegen der selben Straftat angeklagt werden kann, eine angeklagte prozessuale Tat ist durch ein rechtskräftiges Urteil grundsätzlich endgültig rechtlich bewertet. (Dies nur als Kurzfassung)
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  8. #218
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    Re: Yearn after reading

    214. Sex für Anfänger
    (Roger dodger); USA 2002; von Dylan Kidd

    (12.10.2008)
    Mit: Campbell Scott, Jesse Eisenberg, Isabella Rossellini, Elizabeth Berkley, Jennifer Beals, Mina Badie, Ben Shenkman, Chris Stack, Morena Baccarin, Stephanie Gatschet



    Hach, ein Film nach meinem Geschmack. Sehr dialoglastig, einiges an subtilem Dialogwitz und interessanter Erkenntnisse und Betrachtungsweisen, sympathische Figuren, nahezu alles spielt sich binnen weniger Stunden ab, und aufgrund der Thematik spricht es wohl so gut wie jeden an.

    Dass es dabei um „das Thema“ geht ist dabei nicht das Entscheidende, abgesehen davon, dass wie bereits erwähnt es grundsätzlich ein großes Publikum anspricht.

    Doch bei einem derartigen Film ist wohl entscheidend, inwieweit man mit den beiden Hauptakteuren klarkommt. Da ist ein anscheinend wirklich alle Tricks und Kniffe des „Aufreißens“ zu kennender Mitdreißiger Roger, geschult durch fast tägliches (bzw. nächtliches) trainieren auf dem Schlachtfeld von Eroberung und Zurückweisung im weltgrößten „Lonely hearts Club“ New York City. Dieser trifft nun unvermittelt auf seinen 16jährigen Neffen Nick, wohnhaft in der Provinz von Ohio, der diese Chance die sich ihm ob des Wissens seines Onkels bietet nutzen möchte und seine ersten sexuellen Erfahrungen sammeln möchte. Und so erleben die beiden einen aufregenden Trip durch die Nacht, mit allerlei kleineren und größeren Einblicken in das Thema, welcher den Zuschauer ganz mit sich reißt und wenn man dem eben zugetan ist, mehr als gut und amüsant unterhält und der auch von der Unterschiedlichkeit des Männergespanns profitiert. Dabei wird es trotz der Ausgangslage nie peinlich und scheint sehr realitätsnah. Allein ärgert man sich höchstens, nicht selbst so einen Onkel gehabt zu haben.

    Ein sehr liebevoll umgesetzter, kleiner großer Film, der vor allem durch die Dialoge der Personen besticht (bzw. überwiegend Monologe der Hauptfigur Roger) und in einem grandios aufspielenden Campbell Scott einen durchgehenden Höhepunkt hat. Nebenbei sei auch die hier ganz wundervoll und liebreizend rüberkommende Jennifer Beals erwähnt, die ihre Figur ebenso verrucht und sexy präsentiert und dabei gleichermaßen auch sensibel und zart (leider letztendlich aber zu kurz auftritt).

    8,5/10

    Passender Song: „This night“ von Billy Joel
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  9. #219
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    Re: Yearn after reading

    OMFE präsentiert: Must-See-Film #6; presented by Moociloc

    215. Glengarry Glen Ross
    USA 1992; von Scott Foley

    (16.10.2008)
    Mit: Al Pacino, Jack Lemmon, Ed Harris, Alan Arkin, Kevin Spacey, Alec Baldwin, Jonathan Pryce, Bruce Altman, Jude Ciccolella, Paul Butler



    Als ich eben laß, dass der Film auf einem Theaterstück von David Mamet beruht, der auch das Drehbuch für den Film schrieb, wunderte mich diese Information kaum, denn bereits beim Ansehen erkennt man das kammerspielartige Szenario und kann sich gut vorstellen, dass es eine Bühnenadaption ist. Hauptgründe dafür sind die Auslegung auf lediglich zwei Haupt-Locations sowie die Tatsache, dass es ein sehr dialoglastiger Film ist, in dem annähernd durchgängig geredet wird.

    Die Grundsituation die geschaffen wird, ein Wettbewerb zwischen vier Grundstücksverkäufern, wobei dem Verlierer die Entlassung sicher ist, ist interessant und wird nachvollziehbar aufgebaut und gepflegt. Hauptaspekt ist auch der Umgang untereinander in einer existenzbedrohenden Situation. Hier offenbaren sich die Abgründe der Menschen in einer zwar noch frühen Phase, aber doch recht nachdrücklich. Beleidigungen und verbale Demütigungen fliegen nur so durch die kargen Geschäftsräume. Mit Haken und Ösen und teilweise jenseits moralischer und juristischer Regeln wird versucht, den Job zu retten.

    Doch warum sollen diese Verkäufer untereinander großartig anders umgehen als mit ihren Kunden. Per Telefon oder auch im persönlichen Gespräch wird heftigst gelogen, um einen Verkauf abzuschließen und sich damit an die Spitze der Verkaufszahlenrangliste zu setzen. Interessant auch, dass es in größerem Maße auch um die (mehr oder weniger zwielichtige) Beschaffung von Adressen geht, ein topaktuelles Thema.

    So richtig wollte mich das Thema bzw. die Umsetzung nicht packen, obwohl ich nach Lesen der groben Handlung im Vorfeld doch schon freudig interessiert war. Irgendwie hat mich das Schicksal der vier Verkäufer nicht wirklich erreicht. Gefallen hat mir dagegen die ein oder andere interessante Wendung (sehr schön der Moment wenn man merkt, dass Pacino in der Bar die ganze Zeit ein Verkaufsgespräch führt...) und vor allem das Spiel der Darsteller: Pacino, Harris, Lemmon und Arkin haben wirklich eine ordentliche Leistung gezeigt. Spaceys Figur dagegen war relativ eindimensional, aber auch das muss man erst mal passend darstellen.

    B: Würde eine 6,5 geben... aber da es ja hier um ganze Noten geht, kann ich mich zu einer 7/10 durchringen, weil es letztlich ein tolles Ensemble war und weil sich Moociloc offenbar zunächst die richtigen Gedanken machte > was mag der Empfehlungsnehmer... dialoglastiges -> check; Film spielt innerhalb eines kurzes Zeitraums -> check; Rangliste/Tabelle -> check; gerne auch bekannte Darsteller/namhaftes Ensemble -> check. Hört sich in der Theorie super an, doch leider ist Erfolg nicht planbar. Aber für die Mühen... :wink:
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  10. #220
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    Re: Yearn after reading

    Binoche-double feature pt. 1

    216. Dan - Mitten im Leben
    (Dan in real life) USA 2007; von Peter Hedges

    (18.10.2008)
    Mit: Steve Carell, Juliette Binoche, Alison Pill, Brittany Robertson, Marlene Lawston, John Mahoney, Dianne Wiest, Dane Cook, Jessica Hecht, Amy Ryan, Norbert Leo Butz, Frank Wood, Amy Landecker, Bernie McInerney, Matthew Morrison, Felipe Dieppa, Emily Blunt



    "Sag mal was !", "Mal was !"

    Relativ am Ende des Filmes begannen während einer Szene plötzlich bei mir die Tränen zu kullern, und ich weiß nicht mal warum eigentlich. Keine besonders traurige Szene eigentlich, kein besonders trauriger Film eigentlich, ganz im Gegenteil. Es geht zwar auch um die vielen tragischen Momente im Leben, wie Verlust eines geliebten Menschen, eine unerfüllte Liebe, die zwar sogar auf Gegenseitigkeit beruht (bzw. beruhen könnte wenn sie die nötige Zeit und genügend Raum hätte sich entwickeln zu können) aber es ist eben, wie so oft, kompliziert, wer kennt das nicht.

    Darüberhinaus ist es aber auch ein sehr lebensbejahender Film, der die tollen Seiten einer Großfamilie sowie familiären Zusammenhalt propagiert, dies auf eine sehr liebevolle und im wahrsten Sinne des Wortes spielerische Weise, ohne zuviel auf unrealistischer Glücksbärchiromantik aufzubauen. Zwar werden die Wenigsten von uns das Glück einer solch intakten und letztenendes liebevoll miteinander umgehenden Großfamilie haben, doch ich denke, es gibt sie noch, wenige vielleicht, aber es gibt sie noch. Doch, das will ich einfach glauben.

    Doch auch in dieser Welt gibt es natürlich diverse dramatische Ereignisse die auch Situationen und deren Verläufen geschuldet sind, die sich schlicht Leben nennen. Diese wird es immer geben und man muss einfach das Beste draus machen.

    Steve Carell ist einfach ganz großartig. Hier spielt er nicht den tumben Clown sondern eine Figur, die sehr viel Herzenswärme hat, diverse Schläge und Ironien des Schicksals hinzunehmen hat und der immer zwischen der Problematik steht alleinerziehend genug Zeit für seine drei Töchter zu haben (zwei davon pubertierend, so was grenzt wohl an Höchststrafe für einen Vater) und dabei aber auch nicht sich selbst zu vergessen. Dabei ist Dan auch hin- und hergerissen, ob er seinem Herzen folgen soll und damit aber seinem Bruder in die Parade fährt oder eben nicht. Dies wird auch sehr schön gezeigt.

    Und zum guten Glück für mich, kommt bei all diesem was sich nach schlimmsten Drama und Herzschmerzduselei anhört (was es aber beides in dieser negativen Richtung nicht ist, ganz im Gegenteil) auch der Humor nicht zu kurz und bietet einige unvergessliche Szenen. Wie die Familien-Aerobic-Einlage, die „gemeinsame“ Dusche oder das Steinewerfen etc.

    Eine Dramödie allererster Kajüte, vor allem auch dank Steve Carell. Juliette Binoche hingegen war für mich persönlich noch nie besonders reizvoll, daher hätte ich mir lieber eine andere weibliche Hauptdarstellerin gewünscht, aber okay, ist ein recht subjektiver Punkt.

    8,5/10

    "Dieser Mais ist ein Engel!"

    Pass. Song: “Higher love” von Steve Winwood

    Ich frage mich: Warum gibt es für diesen Film keinen MM-Thread und, (abgesehen von Keyzer, aber der zählt nicht :wink auch keinen weiteren FTB-Eintrag. Leute, schaut diesen Film ! *werbetrommelrühr* (Damn, ich wüsste wem ich den OMpFEhlen könnte... zu spät).

    Interesting fact: Rhode Island ist mit einer Fläche von 4.002 km² der flächenmäßig kleinste Bundesstaat der U.S.A. (zum Vergleich, das Saarland hat knapp 2.570 km²). Der Neuenglandstaat liegt im Nordosten direkt am Atlantik. Größte Stadt und Hauptstadt ist Providence. Mit die größte filmische Bekanntheit hat „the ocean state“ dank einiger Filme der Farrelly Brüder.
    Es kracht, es zischt, zu seh'n ist nischt

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