227. Rogue - Im falschen Revier
(Rogue) AUS/USA 2007; von Greg McLean
(04.12.2008)
Mit: Michael Vartan, Radha Mitchell, Sam Worthington, Stephen Curry, John Jarratt, Caroline Brazier, Geoff Morrell, Barry Otto, Celia Ireland, Mia Wasikowska, Heather Mitchell, Robert Taylor, Damien Richardson
Tierhorrorfilme sind ja üblicherweise nicht die Krone der Film-Hochkunst (mal abgesehen von Ausnahmen wie Jaws), sie laufen meist nach ähnlichen Mustern ab und bieten selten große Innovationen, und es werden dermaßen viele Tiere und Tierarten zu bösen und mordlustigen Geschöpfen gekünstelt, dass man sich fragt, wie die menschliche Spezies überhaupt so viele Jahrtausende auf diesem Planeten überleben konnte und warum eigentlich ständig diverse Tierarten aussterben, wo es doch eigentlich genau andersherum sein müsste. Dennoch muss ich zugeben, dass ich solche Filme nicht ungerne anschaue, vielleicht weil ich es gerne sehe, wenn die Natur mal zurückschlägt, -schnappt, -beißt, -krallt, -würgt und -zerfetzt. Oder einfach weil meist ein mittelprächtiger Nervenkitzel entsteht, dem man sich gerne für rund 90 Minuten unterzieht.
Rogue ist mit Sicherheit einer der besten Filme des Subgenres, was mehrere Gründe hat. Zunächst mal ist die Gefahr relativ realistisch, die Grundgeschichte, dass ein Boot im australischen Northern Territory von einem Kroko umgeworfen wird und die ehemaligen Bootsinsassen kurzzeitig um ihr Leben schwimmen müssen (nicht weil sie direkt angegriffen wurden, aber eben die Angst bestand, dass dies so sein könnte), hat so tatsächlich stattgefunden und war für Regisseur McLean auch Auslöser genug diesen Film zu verwirklichen.
Der beschuppte Hauptprotagonist des Filmes ist mit seinen 7 Metern Gesamtlänge schon mal ein ganz schön stattlicher und nervenstrapazierender Oschie, jedoch sind seine Maße bei weitem nicht übertrieben unrealistisch, auch sein Verhalten ist für meine Begriffe im authentischen Rahmen, und auch wird immer wieder betont, dass Auslöser für die ganze Misere nicht eine herbeifantasierte Mordlust des Reptils ist, sondern schlicht und ergreifend die Tatsache, dass der Mensch in das Revier des Tieres eindringt; wenn wir ungefragt einfach auf das Grundstück oder in das Haus einer anderen Person eindringen würden, wäre diese sicher auch nicht wirklich begeistert, und auch wenn es nicht gleich dazu kommen würde, dass man uns verspeisen wollte, so ist der Wohnungs-/Grundstücks-besitzer sicherlich tendenziell eher weniger begeistert und zumindest ungehalten, in extremen Einzelfällen sicherlich auch gewaltbereit.
Aber ich schweife ab, der Film bietet also ein realistisches Szenario und wartet mit dem nötigen Respekt gegenüber seinem urtümlichen Hauptdarsteller auf. Hinzu kommen wirklich wunderprächtige Natur- und vor allem Landschaftsaufnahmen, die man wohl nur selten findet, ein wahrer Augenschmaus. Auch gibt es eine für solche Filme eher untypisch gut gelungene Charaktertiefe, auch wenn diese mit zunehmender Zeit weniger wird, was aber der Situation geschuldet ist.
Doch auch gibt es etwas, was mir persönlich weniger behagte, möchte hier nicht ins Detail gehen und auch nicht schon wieder mit Spoilerbalken arbeiten, aber eine Entwicklung gegen Ende fand ich dann doch ein wenig zu sehr konstruiert, wenngleich diese Ausgangslage natürlich für einige sehr spannende Szenen führte. Überhaupt, Spannung und Thrill sind über weite Strecken des Filmes vorhanden, und insofern hat er also sein Ziel erreicht. An einigen Stellen kommt auch ein gewisser Humor und eine Ironie ins Spiel, was dem Ganzen merklich gut tut, allein die Aufschrift auf einem T-Shirt sorgte für einen Lacher meinerseits, nonverbale Komik par excellence.
Interessant übrigens auch das Verhalten der Touris, als sie von der Tour-Leiterin Kate Ryan (Radha Mitchell) (au je, nach Sarah Connor noch eine weitere Verwechslungsmöglichkeit zwischen einer Filmfigur und einer Sängerin...) die Eckdaten der Krokos aufgezählt bekommen und dabei leicht bis mittelstark erschaudern, dabei haben sie diese Flussrundfahrt incl. Croc-Watching ja bewusst gebucht, na ja, Homo sapiens eben.
Verwundert laß ich übrigens im Abspann den Namen John Jarratt, mir schon bekannt aus der gemeinsamen Arbeit mit Regisseur McLean, Wolf Creek, und ich wunderte mich und rätselte wer er denn war... und dann laß ich noch mal den Rollennamen und konnte es kaum glauben, dass tatsächlich er es war.
Fazit: Für Genrefans ein nahezu unbedingtes muss.
B: 7,8/10
Pass. Song: “Schni schna Schnappi”; German traditional


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