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Thema: Why so curious ?

  1. #641
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    Die Katze und der Kanarienvogel

    OMFE Reboot 10. Runde; TheUsualSuspect überlässt mir seine Wohnung in einem fast leeren Haus

    624. Hexensabbat
    (The Sentinel) USA 1977; Michael Winner (2)

    (26.01.2012)
    Cristina Raines (1), Chris Sarandon (4), Deborah Raffin (1), Burgess Meredith (7), John Carradine (2), Eli Wallach (5), Christopher Walken (25), Ava Gardner (2), Sylvia Miles (4), Beverly D’Angelo (10), Arthur Kennedy (1), José Ferrer (3), William Hickey (5), Fred Stuthman (1), Jeff Goldblum (18), Jerry Orbach (6), Martin Balsam (6), Tom Berenger (13)



    Was mir als erstes auffällt, während der Film startet und die Anfangcredits laufen, ist die doch recht namhafte Darstellerriege, ich war vorher, ohne mich groß zu informieren, davon ausgegangen, dass es sich eher um ein B-Movie handelt. Und auch wenn der Ein oder die Andere damals noch nicht so bekannt war wie vielleicht später, ist das doch recht beachtlich was sich da vor der Linse tummelt. Insbesondere die damaligen Jungspunde Walken und D‘Angelo (in ihrer ersten Filmrolle) sowie die in Klein- und Kleinstrollen aufkreuzenden Goldblum und Berenger, das war schon interessant die zu sehen. Die Hauptdarstellerin sei natürlich auch noch erwähnt, wirklich ein hübsches Mädel dass man da gecastet hat.

    Was mir als nächstes auffällt ist, dass man dem Film sein Alter doch deutlich anmerkt (dabei ist er sogar noch knapp jünger als ich), und auch wenn sowas hier nicht unbedingt so gerne gehört wird, aber so ganz ist das in dem Falle nicht meines. Ja, ich gebe zu, „ältere“ Filme haben es bei mir nicht unbedingt leicht, insbesondere wenn man ihnen ihre dadurch bedingten Unzulänglichkeiten ansieht. So sind die Gruseleffekte aus heutiger Zeit nicht mehr besonders wirkungsvoll, dazu ist die Monsterparade am Ende nicht nur sehr konstruiert sondern auch fast langweiligend repitiv. Großes Unbehagen wird, bzw. soll, auch dadurch generiert, dass es in einigen Szenen hektisch zugeht und mit übertriebenen Soundeffekten hantiert wird. Was damals wohl noch mehr seine gewollte Wirkung erzielt hat, heute wirkt das eher hysterisch und übertrieben.

    Immerhin ist die Geschichte zunächst sehr undurchsichtig und lange Zeit weiß der Zuschauer auch nicht unbedingt worauf das Ganze hinausläuft (was meistens, so auch hier, eher eine positive Sache ist), das ist sehr ansprechend und dennoch wird eine ordentliche und gefällige Auflösung geboten. Es bleiben zwar auch Fragen offen, aber hier ist der Zuschauer selbst gefordert sich seine eigenen Gedanken zu machen. Irgendwie hat mich das Ganze ansatzweise an Rosemaries Baby erinnert, obwohl ich den nur in meiner Jugend lediglich häppchenweise gesehen habe, aber man kennt ja grob die Story und die wenigen verbliebenen Erinnerungen genügen hier. Wenn man übrigens superextrempolitischkorrekt sein wollte könnte man dem Film ankreiden, dass er sich gegen die Emanzipation ausspricht und ein veraltetes Welt- und Rollenbild widerspiegelt, weil hätte die Hauptfigur nicht unbedingt ihre eigene Wohnung haben wollen sondern hätte sich einfach ihrem Freund „untergeordnet“, wäre der ganze Schlamassel nicht passiert. Aber so extrem bin ich ja nicht, wollte es nur erwähnt haben.

    Von den Figuren gefällt mir besonders der von Eli Wallach dargestellte Cop, seine Art bietet guten Nährboden für einige Schmunzler. Highlight aber sicher Burgess Meredith, insbesondere der erste Auftritt des Pinguinmanns incl. seinen Haustieren ist schon sehr amüsant. Unerwartet auch die relativ freizügigen Szenen von Beverly D’Angelo, ob Papa Griswold weiß, was sie in ihrer Jugend so getrieben hat…

    Sicher liegt es nicht nur am Alter und den damit einhergehenden Unvollkommenheiten, vielleicht hätte er mich stärker beeindruckt wenn ich zur Sichtungszeit deutlich jünger gewesen wäre, wie sicher auch das Publikum zu seiner Zeit, aber ein großer Fan solcher älterer Gruselstreifen werde ich deswegen wohl eher nicht. War kein völliger Schuss in den Ofen, hatte auch schon interessante Elemente und ein ebensolches Darstellerensemble, aber so wirklich begeistern konnte mich der Film nicht. Aber der Versuch war’s auf jeden Fall wert.


    5/10

    Der deutsche Titel ist übrigens mal wieder irreführend, mit Hexen hat das nichts zu tun.
    Es kracht, es zischt, zu seh'n ist nischt

  2. #642
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    Die Möglichkeit einer Insel

    OMFE Reboot 12. Runde; Matt bringt mich auf den Hund, der schlaue Fuchs...

    629. Die Hunde sind los
    (The Plague Dogs) GB/USA 1982; Martin Rosen (2)

    (31.01.2012)
    Stimmen: Original: John Hurt, Christopher Benjamin, James Bolam, Nigel Hawthorne, Warren Mitchell, Bernard Hepton, Brian Stirner, John Franklyn-Robbins, Geoffrey Matthews, Barbara Leigh-Hunt, Patrick Stewart, Philip Locke, Bill Maynard, Penelope Lee; dt.: Joachim Tennstedt, Helmut Krauss, Klaus Jepsen, Friedrich W. Bauschulte, Wolfgang Völz, Wolfgang Ziffer, Alexander Herzog, Anita Lochner, Gerd Duwner, Norbert Langer, Christian Rode, Wolfgang Pampel



    Nach Watership Down das zweite Filmprojekt von Martin Rosen nach einer Literaturvorlage von Richard Adams, leider auch schon das einzige neben dem benannten. Und hier auch schon gleich das Lob für den OMFEhler, denn von der Existenz des Filmes wusste ich zuvor nichts, dabei ist es für alle Kenner und Freunde von Watership Down ein muss, mindestens für die.

    Wieder stehen Tiere im Mittelpunkt des Geschehens, erneut nicht in bunter und unnatürlicher Disney-Manier, sondern sehr naturgetreu und möglichst realitätsnah. Abgesehen von einigen Dehnungen der Realität die allerdings leicht verzeihlich sind, schließlich soll ja auch eine Geschichte erzählt werden. Dabei wird die Natur eben auch in ihrer ureigenen Ernsthaftigkeit und Unbarmherzigkeit gezeigt, abseits jeglicher falschen Disneyromantik. Außerdem wird auch ein wichtiges Thema angesprochen.

    Die Hauptprotagonisten hier haben Ängste, Visionen, sind der rauen Natur ausgesetzt und müssen sich durchsetzen, wohl wissend dass auch sie ein Teil dieser Natur sind, ihrerseits andere Lebewesen jagend und tötend.

    Wie in WD sind die Zeichnungen bzw. die visuelle Gestaltung der Tiere und der Landschaft sehr gut gelungen und lassen keinen Raum für Beanstandungen.

    Was mir neben der Realitätsnähe gut gefallen hat war der Kniff im Hintergrund zu den Bildern der Vierpföter immer wieder Gespräche zwischen Menschen zu hören, so dass die Gesamtgeschichte quasi auf zwei Ebenen gleichzeitig stattfindet und ordentlich voran kommt. Darüber hinaus ist die gewählte Darreichungsform klarer Fingerzeig um wen es primär in dem Film geht, denn das optische überwiegt das phonetische.

    Ganz so nah wie WD ging mir das Ganze nicht unbedingt, doch das mag auch eine zu hohe Hürde sein die auf mehreren, recht individuellen Säulen fußt. Dennoch löst der Film im Zuseher entsprechende Emotionen aus und lässt einen nicht kalt. Somit eine klare Empfehlung für alle die realitätsnahen Animationsfilmen etwas abgewinnen können.

    8/10


    Abschließend möchte ich noch den Text aus dem Lexikon des internationalen Films dazu zitieren, der die Rückseite der frisch erworbenen DVD ziert, einfach weil er, wie so oft, den Film sehr prägnant auf den Punkt bringt; und weil ich es im Grunde ganz genau so sehe:

    Mit melancholischen Bildern, subtil, ohne Schockeffekte erzählt der bemerkenswerte Zeichentrickfilm die Geschichte eines großen Scheiterns und ausweglosen Überlebenskampfes gegen die Macht der Menschen und ihre Gewalttätigkeit gegen die Natur.
    Geändert von Kalervo (31.01.2012 um 21:51 Uhr)
    Es kracht, es zischt, zu seh'n ist nischt

  3. #643
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    Even faster and more furious

    625. Drive
    USA 2011; Nicolas Winding Refn (5)

    (28.01.2012)
    Ryan Gosling (5), Carey Mulligan (1), Bryan Cranston (4), Albert Brooks (4), Ron Perlman (15), Oscár Isaac (1), Kaden Leos (1), Christina Hendricks (1), Jeff Wolfe (1), James Biberi (2), Tiara Parker (2)





    Der Film beginnt schon mit einer großartigen Einstiegsszene (--> 'Und schwupps! Mitten im Film') und lässt hernach seine grellbunten an Miami Vice erinnernden Anfangscredits durchs Bild laufen, womit bewiesen wäre dass der Regisseur seine Vorliebe für außergewöhnliche Filmanfänge bzw. die besondere Einbettung der Opening Credits auch über den großen Teich mitgenommen hat. Und nicht nur diese, sondern auch eine gehörige Portion Feingefühl für die richtige, die besondere Kameraeinstellung, Farbgebung, dramaturgische Spitze und Fähigkeit aus dem Haufen an Hanseln die vor dem Kameraobjektiv herumspringen den bestmöglichen Ertrag für den Film herauszuholen.

    Um es vorwegzunehmen, der grundsätzliche Verlauf der Story und etliche Begebenheiten sind nicht gänzlich neu und zu nicht unerheblichen Teilen, ja ich benutze jetzt mal dieses schreckliche Wort, vorhersehbar, aaaber, hier ist nicht wie bei einer simplen Additionsaufgabe das Ergebnis das allein Seeligmachende sondern der Rechenweg sozusagen ist das interessante. In tausend Versuchen ergibt 2 und 2 vier, aber der Weg dort hin kann variieren und kann interessant sein, und so verhält es sich auch hier.

    Style over Substance!? Mitnichten, denn die Substanz an sich ist gut genug, mit den begeisternden und einnehmenden optischen, auditiven und schauspielerischen Glanzlichtern mitzuhalten, so gibt es nicht wenige Szenen und Einstellungen die schlichtweg genial sind und den Zuseher beeindrucken oder aber mindestens beschäftigen. Eh ein Film der nachwirkt.

    Einen erheblichen Teil der Großartigkeit macht natürlich auch die Hauptfigur aus. Eine Figur die im Wesentlichen fremdbestimmt ist, sein Arbeitgeber sagt ihm was zu tun ist, auch wenn es eine fast freundschaftliche Beziehung zwischen den Beiden ist, in allen geschäftlichen Belangen, gleich ob legal oder illegal. Oder auch bei seinem Nebenjob als Stuntman befolgt er lediglich Anweisungen. Selbst bei den „nächtlichen Ausfahrten“, bei denen er seinen Kunden eigentlich in so vielen Belangen überlegen ist, richtet er sich letztlich nach ihnen, führt bis zu einem gewissen Grad ihre Wünsche aus, auch wenn er in der Ausführung letztlich sehr viel Spielraum für eigene Interpretationen hat. Er macht all dies scheinbar ohne damit zu hadern, welche Gefühle er deswegen hat und welche Gedanken, das erfährt der Zuschauer nicht, er scheint allgemein so cool zu sein dass es den positiven Touch dieser Begrifflichkeit fast sprengt und an Teilnahmslosigkeit und steriler Funktionalität grenzt. Der positivmöglichste Eintrag in seinem Arbeitszeugnis ist ihm sicher. Doch dann lernt er durch eine Zufallsbekanntschaft zwei Menschen kennen, bei denen er nicht der Befehlsempfänger sondern der Leitwolf ist, sie benötigen seine Präsenz und seine Unterstützung, ganz besonders dann wenn ihnen dies gar nicht bewusst ist. Dadurch entwickelt sich eine Beziehung für die es keine sprachliche Zuordnung gibt; es ist tiefer als eine reine Freundschaft, gleichzeitig aber unschuldiger als eine gewachsene Liebe. Und insbesondere er profitiert davon, kann seinen Alltag, selbst wenn dieser gar nicht besonders negativ verläuft, wegschieben und zeigt in diesen wenigen Momenten auch mal schon erlösende Emotionen. Was vorher war, wie er zu dem wurde was er ist, darüber erfährt man fast gar nichts. Es geht nur um das hier und jetzt. Dass es zu dieser Figur einen gerade zu bestens geeigneten Darsteller gibt ist sicher einer der größten Geschenke an den geneigten Filmzuschauer des noch jungen Jahrtausends. Andererseits macht er es einem damit nicht leicht bei künftigen Produktionen nicht immer wieder den Driver zu sehen. quod erat demonstrandum

    Und es gäbe sicher noch viel über die Figuren, insbesondere den Driver, und die Geschehnisse zu philosophieren, was aber letztlich an fehlender Zeit und Geistesgröße scheitert.

    /Achtung, der folgende leicht homoerotische Abschnitt könnte für zarte Gemüter anstößige Inhalte enthalten, lesen auf eigene Verantwortung/
    Im Übrigen war ich während der Sichtung stellenweise in einem Zustand der dem eines frühpubertierenden Mädchen welches seinem großen Schwarm zukreischt nicht unähnlich ist; also auf RG bezogen. Oder um es anders auszudrücken, wenn ich weiblich wäre und attraktiver, der Junge wäre sowas von nicht sicher vor mir und ich würde erst ruhen wenn ich ihn wenigstens einmal flachgelegt hätte. So faszinierend heiß und dabei doch so unterkühlt unnahbar.//

    Dabei gibt es etliche Szenen die einfach großartig gefilmt sind und dem Zuschauer zum Erfreunis präsentiert werden. Könnte mehrere aufführen, beschränke mich aber mal auf eine recht banale, die als der Driver in die Tiefgarage fährt kurz nachdem Cook und einer seiner Schläger Standard verprügelt haben, die Beiden immer im Auge steuert er zielgenau auf den Parkplatz zu, herrlich von der Kamera aufgenommen. Sowas bleibt im Gedächtnis, und solches gibt es wie erwähnt mehrfach.

    Dabei will ich aber auch nicht unerwähnt lassen, dass es eine Szene gab, die mich ziemlich ratlos zurückgelassen hat, der erste Einsatz des Hammers; wie scheinbar unberührt und erstarrt die unverhüllten Damen dasaßen. Sicher kann man sich die Gründe in gewisser Weise zusammenargumentieren, aber wirklich deuten kann ich es nicht. Aber vielleicht soll oder gar muss es ja auch so sein, und jeder hat so seine persönliche „Problemzone“ an und mit dem Film, das muss ihn ja nicht zwingend schlechter machen, sondern in vorderster Linie erstmal interessanter und nachdenkenswerter.

    Insgesamt ist Gewalt auch so ein Thema. Auch wenn letztlich auf explizite Darstellungen verzichtet wird, wird sie doch in einem gewissen Maß ästhetisiert bis zur Schmerzgrenze und wird ob der Umstände vom Zuseher bedenkenlos goutiert, was in vielen Actionfilmen der Fall ist wenn der „Gute“ zuschlägt, erschießt oderwasauchimmer; aber dieser Film schafft es immerhin im Nachhinein diesen meist wie selbstverständlich hingenommenen Umstand mal zu hinterfragen. Gewollt oder nicht, bei mir bewirkte er dies jedenfalls.

    Kurz noch ein Wort zum Handlungsort, LA ist nun nicht gerade einer meiner bevorzugten Schauplätze, abgesehen vielleicht von Hollywood itself fasziniert mich daran herzlich wenig, aber ich finde dennoch dass diese Stadt der ideale Handlungsort für die Geschichte, für den Film ist. Ganz kurz sei noch die gute bis sehr gute Musikauswahl und deren Einsatz erwähnt, die wenigen aber sehr mitreißenden "Action"sequenzen und dass mich Mulligan an Michelle Williams erinnert hat.

    Ein Film der wohl nicht für jeden geschaffen ist, weder für den Mainstream noch für den reinen Kunstfilmliebhaber; aber ich möchte da keine der genannten Gruppen verteufeln o. ä., es kann halt nicht immer passen, muss es auch nicht, ist halt schade wenn der Film nicht auf breiter Basis die Aufmerksamkeit erhält die ihm, meiner Meinung nach, zusteht.


    9/10


    …und wenn ich nicht gerade von einem Tête-à-tête mit RG träume dann von einem gemeinsamen Film mit Driver Gosling, Transporter Statham und Stuntman Mike Russell. Aber da müssen wir wohl noch warten; mindestens bis zu dem Tag an dem ein Filmmaterial erfunden wird welches nicht schon ob der bloßen Awesomenessigkeit dieses Trios beim Dreh in Flammen aufgeht.
    Geändert von Kalervo (09.02.2012 um 21:42 Uhr)
    Es kracht, es zischt, zu seh'n ist nischt

  4. #644
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    If Paradise is half as nice...

    626. The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten
    (The Descendants) USA 2011; Alexander Payne (4)

    (28.01.2012)
    George Clooney (16), Shailene Woodley (1), Amara Miller (1), Nick Krause (1), Patricia Hastie (1), Matt Corboy (1), Beau Bridges (3), Robert Forster (12), Barbara L. Southern (1), Rob Huebel (3), Mary Birdsong (2), Matthew Lillard (11), Judy Greer (7)





    Das ist schon lustig, da betont die Hauptfigur am Anfang gegenüber dem Zuschauer, dass Hawaii nicht das Paradies ist welches viele (Außenstehende) in ihm sehen, sondern auch hier die Menschen im Alltäglichen versinken, Probleme haben und stellenweise unglücklich sind; nur um dann immer mal wieder meist in bildlicher Form und manchmal nur so eher beiläufig den Gegenbeweis anzutreten und den Ausführungen der Hauptfigur zu widersprechen. Dabei muss das gar kein Widerspruch sein, also kein filmischer in sich sondern durchaus gewollt. Natürlich wirkt die Natur für den Betrachter oftmals einfach nur wunderschön, weil sie es ist, das nützt aber einem der dort lebt und seinen Alltag verbringt, sei er auch aus wirtschaftlichen Gründen noch so upperclasszuckerindenarschgeblasen, an mindestens 98% des Tages herzlich wenig. Auch wenn es meist nur eines kleinen Aufwandes bedarf sich mal an einen der wunderschönen Strände zu begeben und einfach mal so nebenbei einen Urlaub einzustreuen (ein kurzes Durchatmen für die Seele), so einfach wie man sich einen Kaugummi aus dem Automaten ziehen kann, die Probleme und dieser Zustand namens Leben kann dieser scheinbar gelebte Traum auch nicht immer wegspülen oder verschleiern. Aber immerhin ist sich Matt King seiner Umstände bewusst und auf seine Art in gewisser Weise auch bescheiden und alles andere als großkotzig.

    Kleines Manko ist vielleicht, dass der Film wenig auf die Probleme und Lebensumstände der Hawaiianer außerhalb der Familie King eingeht, nur kurz zu Beginn sehr randnotizig. Das könnte man ihm ankreiden, wenngleich man andererseits der Hauptfigur einer Geschichte nicht vorwerfen kann, dass sie die Hauptfigur ist.

    Dabei ist die Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung Hawaiis für den der dort lebt und den der nur wenige Tage oder Wochen im Jahr dort hinkommt um Urlaub zu machen nur natürlich und lässt sich wohl auf nahezu jedes vermeintliche Touristenparadies übertragen; was aber weniger in der Location selbst als mehr in den Umständen des jeweiligen Betrachters begründet liegt (Daueralltag vs. kurze Zeit des Urlaubs). Und im Grunde unterscheiden sich die Probleme und Aufgaben die das Leben an die Erdenbewohner stellt nicht großartig von denen in New York, Phoenix oder Omaha.

    Finde den Film insgesamt sehr gelungen, humorige und ernste Momente wechseln sich gekonnt ab ohne dass es lächerlich oder kitschig wirkt. Die Figuren sind gut geschrieben und werden großartig gespielt, mehrere Szenen bleiben im Gedächtnis, so u. a die als Matt von der Affäre erfährt und wie von Sinnen durch die noble Wohngegend rast und man fast Angst haben muss dass er jeden Moment stürzt und sich was schlimmes tut, und das Ganze in Hawaii-Hemd, kurzen Hosen und Sandalen. Oder die Szene als Alex untertauchen muss um ihren Schmerz rauslassen zu können; vielleicht finden das andere schon wieder zu plakativ oder plump, aber bei mir hat das voll gewirkt. Und natürlich die Begegnung mit Brian Speer (den Namen werde ich erstmal so schnell nicht wieder vergessen).

    Weiteres Highlight auch die meisten Auftritte von Nick Krause, hier gebührt das Lob auch der Castingabteilung; wie er in vielen Szenen so fast teilnahmslos mittrottet ist schon mehrere dicke Schmunzler wert. Und dann steckt in der Beziehung zwischen ihm und Alex doch mehr bzw. etwas anderes, als Matt und Zuschauer es zunächst und rein oberflächlich betrachtet sehen können oder wollen. Natürlich hätte Alex diese Unklarheit von Beginn an ansprechen und beseitigen können, aber die Kommunikation innerhalb der Familie King ist ja, besonders in dieser Situation, deutlich verbesserungswürdig.

    Aufgrund des Regisseurs bietet sich natürlich ein Vergleich zu Sideways an, interessanterweise hatte ich jedoch eine andere Assoziation, mich hat er stellenweise von der Gefühlslage her mehr an den wunderbaren Wonder Boys erinnert bzw. denken lassen. Wenngleich er für mich nicht dessen ernsthafte Leichtigkeit und den schwer zu beschreibenden Zustand während der Sichtung erreicht, aber das ist eh ein ganz besonderes Kleinod von einem wunderbaren Film.

    Tendenziell könnte dem Film bei einigen Zuschauern seine mediale Überaufmerksamkeit auch zum Verhängnis werden. Ich finde ihn zwar sehr sehenswert, er hat mich auf dem lachenden und dem weinenden Auge erwischt, aber so eine Oscar-Nominierung und mediales pushen weckt natürlich Erwartungen und ein gewisses Anspruchsdenken, dass er wohl nicht bei jedem erfüllen kann.


    8/10
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  5. #645
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    Gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter...

    627. Ein riskanter Plan
    (Man on a Ledge) USA 2012; Asger Leth (1)

    (28.01.2012)
    Sam Worthington (4), Elizabeth Banks (10), Anthony Mackie (3), Edward Burns (4), Titus Welliver (3), Ed Harris (16), Jamie Bell (4), Génesis Rodríguez (1), Kyra Sedgwick (4), Pooja Kumar (1), Felix Solis (3), William Sadler (9)




    Also nichts gegen Los Angeles oder Hawaii, aber als schon in der ersten Szene hier ein typischer New Yorker U-Bahnstationszugang im Bild ist stellte sich bei mir doch schon gleich eine Art innere Zufriedenheit ein. Ja, hier bin ich gerne Gast, ob vor einer Leinwand bzw. TV-Bildschirm oder auch mal tatsächlich vor Ort, da fühl‘ ich mich doch fast schon wie zu Hause.

    Und der große Apfel ist hier mehr als nur bloße Kulisse oder im wahrsten Sinne des Wortes Fassade, insbesondere seine ganz eigentümlichen Einwohner werden so nebenbei beleuchtet; wo die gruppendynamische Stimmung schnell zwischen fast teilnahmsloser ja-springt-der-Kerl-endlich-ich-muss-weiter- und schlag-ihnen-allen-ein-Schnippchen-du-Teufelskerl-Einstellung wechselt. Ob das so exakt zutrifft und ob das für den Film unbedingt notwendig war ist diskutierbar.

    Der Film bietet insgesamt unterhaltsame Spannung und das auf recht ordentlichem Niveau und so wirkt das Spielfilmdebut des dänischen Regisseurs sehr routiniert inszeniert. Ein gutes und glaubwürdiges Ensemble schafft es auch die vielleicht notwendigen dramaturgischen Drehbuchspitzen sauber und ohne Zwischenfall sicher zu landen. Dass die absolute Glaubwürdigkeit an der Story und ihren Wendungen teilweise Kratzer einbüßt kann im Großen und Ganzen verziehen werden, wenngleich einige Aktionen gegen Ende, insbesondere der zielgenaue Wahnsinnssprung, den Zuschauer doch erheblich zum innerlichen Kopfschütteln bewegen, aber richtig böse bin ich dem Film deswegen dennoch nicht. Dass manches vorherzuerahnen ist (z.B. dass die Friedhofsszene gestellt war, da war der Streit zwischen den Brüdern zu auffällig und der Anlass und Verlauf wirkte zu gekünstelt und zu gewollt) kann ebenfalls verziehen werden.

    Interessant zwar zweifelsohne das Einbruchsduo und ihr Vorgehen. Die beiden Figuren gefielen charakterlich sehr, und die Schöpfung natürlich auch noch auf anderer Ebene… dabei kann die Figur auch in anderer Hinsicht überzeugen. Dass sie scheinbar so selbstverständlich den Coup mitmacht und sich darauf einlässt gefällt irgendwie sehr und macht sie sehr sympathisch. Ich mag‘ einfach solche Figuren die selbstlos etwas auf sich nehmen, dass hat etwas cooles. Dass es dann nicht nur die purste Nächstenliebe ist bzw. schon Vorkenntnisse vorhanden waren wie man später erfährt wertet das Verhalten nicht notwendigerweise ab. Natürlich tragen auch die kleinen Scharmützel und Zankereien der Beiden zu einem nicht unerheblichen Maße zur Zuschauerbespaßung bei und werden von mir fast durchweg positiv goutiert, lediglich die Diskussion um das Thema „bester Sex“ fand‘ ich unnötig und daneben.

    Noch kurz zum Hauptthema, denke das ist einer der Filme in denen die Quote der Zuschauer die sich, zumindest kurzzeitig, in die Lage der Hauptfigur hineinversetzen, recht hoch ist. Mir ging es jedenfalls so (also weniger der ganze komplexe Fall an sich sondern allein schon mal das auf dem Fenstervorsprung eines Hochhauses stehen), und da komme ich klar zu dem Schluss dass ich eine solche Aktion schwerlich überstehen würde. Leide zwar nicht direkt an Höhenangst, aber mir wird da bei der ein oder anderen Szene schon anders; ich könnte mich da nicht rausstellen. Aber gerade dieses Gefühl bzw. diese Gedanken machen auch einen nicht unerheblichen Teil des Thrills des Filmes aus, was ja auch genau so gewollt ist.


    Abschließend noch eine kurze allgemeine filmhistorische Erkenntnis:

    In den 70ern war es cool einem auf die Schnauze zu geben und dabei nix zu sagen;
    in den 80ern und 90ern war es cool einem auf die Schnauze zu geben und dabei noch einen coolen Spruch abzulassen;
    und in den Nullerjahren und heute ist es cool einen coolen Spruch abzulassen während man selbst auf die Schnauze bekommt.


    7/10
    Geändert von Kalervo (13.02.2012 um 11:15 Uhr)
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  6. #646
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    Ungezügelter Verkehr

    628. Unstoppable - Ausser Kontrolle
    (Unstoppable) USA 2010; Tony Scott (10)

    (29.01.2012)
    Denzel Washington (16), Chris Pine (4), Rosario Dawson (8), Kevin Corrigan (14), Kevin Dunn (15), T.J. Miller (5), Ethan Suplee (11), Lew Temple (4), Kevin Chapman (4), David Warshofsky (7), Jessy Schram (1), Meagan Tandy (1), Elizabeth Mathis (1)



    Tony Scott lässt Denzel Washington Zugfahren, na da hab‘ ich doch gleich ein Déjà Vu. Doch nachdem es zuletzt um eine fast ausschließlich stillstehende U-Bahn ging, hat man sich nun in Sachen Zuggröße und auch Geschwindigkeit etwas nach oben orientiert. Durch eine dumme Verkettung unglücklicher Umstände, hauptsächlich verursacht aufgrund eines selten dämlichen Verhaltens eines Bahnmitarbeiters, ist nun besagter großer Zug führerlos und mit enormer Geschwindigkeit unterwegs. Zwei sich zufällig in der Nähe aufhaltende Zugführer bzw. … ja, welche Aufgabe hatte die Pine-Figur eigentlich genau… das wurde mir nicht ganz klar!? Jedenfalls machen die sich eigenmächtig auf den Filmtitel zu widerlegen.

    Das Ganze hat, fast erwartungsgemäß, ordentlich Tempo zu bieten und so kommen der Film und seine Geschehnisse auch sehr kurzweilig daher. Entgegen anderer Meinungen, die ich so im Nachhinein aufschnappte, gefiel mir dabei die Washington-Figur und Denzels Spiel sehr gut, das hatte auf seine Weise etwas besonderes irgendwie. Auch wenn es eine Figur ist die vergleichsweise flach bleibt, so gibt es doch einige schöne kleine Momente mit ihr.

    Während der Sichtung entwickelt sich auch eine mittelgroße Faszination für den echten Fall der diesem Film grob zugrunde liegt, sowie auch für die Größe und Weite des US-amerikanischen Bahnverkehrs, selbst wenn nur vergleichsweise kleine Streckenabschnitte gezeigt werden. Recht schnell möchte man einen Vergleich zwischen den im Film gezeigten und den tatsächlichen Begebenheiten anstellen und versucht nach Filmende auch gleich mehr zu erfahren. Dass es teils deutliche Abweichungen zwischen der echten und der Film-Realtität gibt war im Grunde zu erwarten, schließlich geht es hier in erster Linie nicht darum das Ereignis möglichst detailgetreu wiederzugeben, sondern darum einen (Unterhaltungs)Film abzuliefern. Insofern kann ich mit Abweichungen auch sehr gut leben. Wobei ich persönlich diese doch gar nicht mal so übermäßig finde, natürlich beim Showdown und bei den möglichen Konsequenzen wurde der Regler ordentlich nach oben gezogen um es aufregender, gefährlicher und spannender zu machen, aber das finde ich durchaus legitim.

    Zum Verhalten des Verursachers bleibt noch anzumerken, dass ich noch vor wenigen Wochen wohl nur schwerlich diese so hingenommen hätte, wie kann sich jemand in einer so verantwortungsvollen Position derart leichtfertig anstellen, aber diesbezüglich hat uns alle ja dieser Tage ein Kapitän zur See eines Besseren belehrt.

    Somit gibt es ordentliche und tempogeladene Unterhaltung auf sehr gutem Niveau, insbesondere auch was die optische und auditive Darstellung anbelangt.


    7/10
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  7. #647
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    Trouble in donesien

    630. Das Ende der Welt
    (Ved verdens ende) DK 2009; Tomas Villum Jensen (2)

    (02.02.2012)
    Nikolaj Lie Kaas (11), Birgitte Hjort Sørensen (1), Nikolaj Coster Waldau (7), Nicolas Bro (6), Steven Berkoff (6), Peter Schrøder (2), Kee Chan (3), Ulf Pilgaard (6), Birthe Neumann (5), Søren Pilmark (3), Bille Brown (3)



    Da sitzt man nichts böses ahnend auf dem Klo und studiert das Fernsehprogramm des Tages, da sticht einem plötzlich ein Film ins Auge den man eigentlich schon lange mal sehen wollte und entdeckt aber gleichzeitig, dass er schon ‘ne gute halbe Stunde läuft. Ärgerlich ärgerlich. Verzweifelt blättert man die nächsten Tage durch, ob er denn nicht vielleicht mal wiederholt würde… aber Fehlanzeige. Doch dann am nächsten Tag die Eingebung, dass man es mal auf gut Glück im Internet-Archiv des Senders probieren könnte, auch wenn die Hoffnung nicht sehr groß ist. Aber siehe da, man kann den Film doch noch anschauen, ein Hoch auf arte!

    Um was geht es… ein britisches Fernsehteam wird bei Filmaufnahmen im indonesischen Dschungel von einem dänischen Staatsbürger scheinbar grundlos getötet und von der örtlichen Polizei inhaftiert und zum Tode verurteilt. Der junge Psychologe Adrian soll nun zusammen mit einer Mitarbeiterin die geistige Verfassung des Täters, der behauptet 129 Jahre alt zu sein, beurteilen. Dort angekommen kommt es aber aufgrund von Missverständnissen zu neuerlichen diplomatischen Verwicklungen (dabei hatte sich die Lage nach den Mohammed-Karikaturen gerade wieder halbwegs beruhigt) und Adrian findet sich bald selbst hinter Gittern wieder (hier spielt übrigens u. a. auch ein Klo eine zentrale Rolle). Zudem geraten sie auch ins Visier eines Gangsters, der hinter der geheimnisvollen Pflanze her ist, die ewiges Leben verspricht und der Grund für den ganzen Schlamassel darstellt.

    Das Ganze wird als Satire auf die üblichen Actionfilme beworben. Dabei fällt schnell auf, dass es demtentsprechend mit übertriebener Action und stellenweise überzogener bzw. unerwarteter Grobheit zugeht, aber komplett überzeugen kann das nicht. Die Charaktere sind teils gewohnt schrullig, aber kleinere Ähnlichkeiten zu anderen Figuren aus der rastlosen Feder Anders Thomas Jensens sind nicht zu übersehen. Immerhin ist es nun, nachdem Regisseur Villum Jensen in Sprængfarlig bombe (Das Genie und der Wahnsinn) die heimische Filmwelt aufs Korn genommen hatte, der konsequente Schritt die Seitenhiebe auf den Rest der westlichen Filmwelt auszuweiten.

    Rein humortechnisch will der Film ebenfalls nicht komplett zünden, etliche Schmunzler sind dabei, die meisten davon auch eher auf der subtileren Ebene, aber gerade hier wie auch insgesamt hatte ich mir mehr versprochen. Vielleicht steckt hier für Leute die dem klassischen Action-/Hollywoodkino abgeneigt sind noch mehr drin, und ich konnte einiges nicht als Persiflierung oder Anmahnung erkennen bzw. als solches würdigen.


    6/10
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  8. #648
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    Light is the night for all

    631. Tatort - Tango für Borowski
    D/SF 2009; von Hannu Salonen

    Episode 619; NDR, Kiel; Erstausstrahlung: 04.04.2010
    (10.02.2012)
    Mit: Axel Milberg, Maren Eggert, Thomas Kügel, Janne Hyytiäinen, Antti Reini, Florian Bartholomäi, Jorma Tommila, June Hyde, Pekka Valkeejärvi, Henna Lehtiniemi, Jarmo Mäkinen, Matti Onnismaa, Matthias Brenner



    Mehr eine Zufallssichtung, als ich beim Zappen gerade noch die Einblendung des Titels „Tango für Borowski“ sah dachte ich mir doch gleich, dass das bestimmt etwas mit Finnland zu tun haben muss und tatsächlich so kam es dann auch. Grund genug also sich den ersten Fall des Kieler Ermittlers anzuschauen.

    Und nja, es schlagen ach zwei Herzen in meiner Brust, einerseits missfallen etwas die natürlich reichlich vorkommenden Klischees (Sauna, Skispringer, wird nicht dunkel, Mücken, Alkohol, Wald, wortkarge Bewohner, Tango), aber mit Klischees ist es halt immer so eine Sache, letztlich basieren sie ja auch auf Tatsachen, fraglich allein ist vielleicht die Ballung und eben die Auffälligkeit, wie der Autor mehr oder weniger alles hineingeworfen hat in den großen Topf was ihm die Finnland-Schublade so bot. Ja und die andere Seite ist natürlich dass man sehr viel von diesem wunderbaren Land sieht, da die Folge zu 99% dort spielt und als halbwegs dem Land zugeneigter Zuschauer kann man sich gar nicht satt sehen und wünscht sich gleich auch gerne mehr Auslandseinsätze aller Art.

    Entwickelt sich der Fall anfangs noch vergleichsweise unspektakulär gibt es am Ende eine Wendung die doch sehr überraschend ist, und auch wenn Fragen offen bleiben, vielleicht macht gerade das auch einen überdurchschnittlichen Serienkrimi aus, offene Fragen und ungezeigte/ungesagte Vorgänge.

    Auffällig ist, dass doch recht viele Bewohner eines kleines finnischen Städtchens zumindest über rudimentäre Deutschkenntnisse verfügen, das vereinfacht es für Zuschauer und Ermittler freundlicherweise, immerhin wird noch genug in der Landessprache geredet, so dass man halbwegs auf seine Kosten kommt, wenn man diese gerne hört. Ganz großartig sind natürlich die gezeigten Landschaftsaufnahmen, sooo toll, daran kann ich mich gar nicht sattsehen.

    Milberg ist natürlich immer ein Gewinn für eine filmische Produktion und die Zusammenarbeit von Borowski mit Mikko (Janne Hyytiäinen) gefällt und schreit gerade zu nach Fortsetzungen. Außerdem weckt es in mir das Ansinnen auf mehr finnische Filmproduktionen (neben der eh schon bestehenden ganz aktuell, die ich im Kino nur wegen der kurzen und zeitlich suboptimalen Ausstrahlungszeit verpasst habe); bleibt nur noch das Problem mit der Beschaffung.


    3,5/5 Handschellen


    wie man von Helsinki nach Ilomantsi kommt:

    „500 Kilometer Richtung Joensuu... und dann rechts!“
    Es kracht, es zischt, zu seh'n ist nischt

  9. #649
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    Le letál destin d'Amélie

    632. Tatort - Eine Leiche zu viel
    D 2004; von Kaspar Heidelbach

    Episode 582; WDR, Münster; Erstausstrahlung: 05.12.2004
    (06.03.2012)
    Mit: Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Friederike Kempter, ChrisTine Urspruch, Claus D. Clausnitzer, Jürgen Hentsch, Petra Hinze, Carola Regnier, Lars Gärtner, Stefan Gebelhoff, Nele Mueller-Stöfen, Silvan-Pierre Leirich, Ute Willing, Susanne Berckhemer, Peter Clös, Olaf Kreutzenbeck



    Hach, manchmal zeigt sich das Leben auch mal von seiner Sonnenseite, da trifft grad die lecker Pizza ein und man macht es sich vor dem TV-Gerät bequem und bei der Suche nach einem halbwegs vernünftigen Programm (zumindest zum Essen) läuft einem dann unvermittelt das Duo Thiel/Boerne in einer der wenigen noch ungesehenen Folgen über den Weg. Einzig ein Anruf eines Kabelnetzbetreibers um kurz vor halb neun abends (!!!) störte die Stimmung kurzzeitig beträchtlich, absolute Unverschämtheit. anyway

    Dieser kurze Downer ist dann aber auch wieder schnell vergessen wenn man merkt, eine der besseren Folgen erwischt zu haben, wobei ich insgesamt den Eindruck habe, dass die älteren eh meistens besser sind, wobei Ausnahmen in beide Richtungen diese Regel bestätigen.

    Man bekommt auch hier ziemlich genau das was man erwartet und wer mit dem Duo und den Fällen nichts anfangen kann, der wird sich wohl wieder bestätigt finden, aber wer ihre Art und Weise liebt, der kommt voll auf seine Kosten und kann knapp 90 Minuten Prahl + Liefers in Paraderollen sehen. Auch wenn das Fehlen von Staatsanwältin Klemm nicht groß ins Gewicht fällt, ein bisschen was fehlt doch und erfreulicherweise war es ja die einzige Fehlzeit.

    Was mir immer mal gut gefällt bei Kriminalfällen, wenn klar wird was so abgelaufen ist und Ermittler und Zuschauer immer erst nur die Folgen von Handlungen sehen, nicht aber die genauen Abläufe und Hintergründe. Okay, das trifft auf die meisten Fälle zu, aber hier wird es immer mal besonders deutlich.


    Entgegen der landläufigen Meinung war es diesmal nicht der Gärtner, meine erste Vermutung; immerhin traf dann mein zweiter Verdacht zu.


    4/5 Handschellen


    Ich habe Spermaspuren gefunden!
    Wo?
    Da wo sie hingehören!



    PS: only 3 to go… (+ der Kommende am nächsten Sonntag)
    Es kracht, es zischt, zu seh'n ist nischt

  10. #650
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    Limitless

    635. Chronicle
    GB/USA 2011; Josh Trank (1)

    (17.03.2012)
    Dane DeHaan (1), Alex Russell (1), Michael B. Jordan (1), Michael Kelly (5), Ashley Hinshaw (1), Bo Petersen (1), Anna Wood (1)



    leichte

    "Aus großer Kraft folgt große Verantwortung", so steht es bereits im großen Buch der Filmweisheiten. Wie unterschiedlich nun drei Teenager, zufällig und urplötzlich zu ungeahnten Kräften gekommen, mit dieser Verantwortung umgehen zeigt uns Chronicle auf an den Kinosessel fesselnde Weise.

    Im Mittelpunkt dabei stehen die beiden Cousins Andrew und Matt, die unterschiedlicher fast nicht sein können. Auch wenn Details zu ihrer Vorgeschichte nicht gezeigt werden, der Blick auf die aktuelle Situation als Zustandsbeschreibung reicht problemlos aus. Zusammen mit dem kommenden Schulsprecher erlangen sie durch eine unerwartete Begebenheit Kräfte, denen keine irdischen Grenzen gesetzt scheinen. Nach und nach testen sie ihre neuen Fähigkeiten immer mehr aus, nutzen sie zunächst auf eine eher spielerische, fast kindliche Weise (wobei sich das dabei generierende Amusement auch auf den Zuschauer überträgt), steigen dann aber immer mehr auf in der Spirale des Unvermeidlichen, wenn auch hauptsächlich von einem Mitglied forciert, zieht es die anderen unweigerlich mit in den Abgrund und die Geschehnisse geraten außer Kontrolle.

    Der besondere Kniff des Erstlingswerks von Regisseur Josh Trank, es ist in Gänze so gehalten, dass alles was gezeigt wird rein auf Mitschnitten von Kameras basiert die jeweils in der Szenerie selbst vorhanden waren. Zunächst ausschließlich durch das Mitführen einer Videokamera von Andrew, später aber auch durch Überwachungskameras in und an Gebäuden, an Polizeiautos sowie an öffentlichen Plätzen. Ganz so als wäre der Zuschauer in der Position der ermittelnden Behörde, die nach dem Stattfinden unerklärlicher Ereignisse versucht diese zu rekonstruieren, vielleicht sogar eine Art filmischer Zusammenschnitt als Anhang eines Abschlussberichts. So ist es letztlich ein Film aus dem Found footage-Genre, der sich jedoch nicht auf nur eine Bildquelle beschränkt.

    Durch dieses Stilmittel wirkt das Ganze extrem realistisch, für einen Film mit fliegenden Menschen und sich mittels Gedankenkraft bewegenden Fahrzeugen sicher keine Selbstverständlichkeit. Inszenatorisch entwickelt sich eine derartige Wucht, insbesondere in den dramatischen Entwicklungen gegen Ende, dem atemberaubenden Showdown und einem Schlussbild, welches einem nicht mehr aus dem Kopf gehen dürfte, wie ich es schon längere Zeit nicht mehr erlebt habe. Angesichts des vergleichsweise lächerlichen Budgets eine wahre Offenbarung. Die Effekte und die dynamische Wirkung des Gezeigten haben mich total mitgerissen und geplättet.

    Unvergessen insbesondere auch die Szene mit der Spinne, welche wohl die aussagekräftigste bezüglich der Figur des Andrew nach dessen Wandlung ist. Die totale Macht die hier fast beiläufig gezeigt wird, in all ihrer dramatischen Auswirkung (man muss kein großer Freund auch kleiner Lebewesen sein um zu erkennen dass spätestens ab hier die Hemmschwelle lebendigen Wesen Schmerz und Leid zuzufügen völlig gebrochen ist), ist der klare Fingerzeig, dass nach dem Überwinden aller bekannten praktischen und physikalischen Grenzen die letzte Hürde der Moral kein wirkliches Hindernis mehr darstellt.

    Lange hat es gebraucht bis ich eine halbwegs vernünftige Rezension zusammenbrachte, weil ich ständig der Meinung war nur mit einem ganz besonderen Text dem Film gerecht zu werden. Aber diesen Anspruch muss ich mir ausreden und kann es letztlich nur ganz profan ausdrücken: was ein geiler Scheiß!

    9/10


    “It was the black guy this time!”
    Es kracht, es zischt, zu seh'n ist nischt

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