Der Teufel trägt Prada
(The Devil wears Prada)
(USA 2006; Regie: David Frankel)
Vorgesetzte können einem das Leben zur Hölle machen. Zu Beginn von "Der Teufel trägt Prada" räumt die gesamte Redaktion der Modezeitschrift "Runway" das Büro um, eilig flüchtend vor dem zerstörerischen Auge einer Mode-Zarin, die mit erfolgfixierter Kälte über ihre Untergebenen herrscht. Eigentlich könnte man hier von Übertreibung oder satirischer Überspitzung sprechen, aber ich persönlich habe Situationen miterlebt, in denen die Ankunft von Schirmherren (bzw. Damen) mit dem Vebot der Zunahme von Zigaretten- oder Nahrungskonsum in Zusammenhang stand, zuvor eher legére auf dem Flur herumdrückende Mitarbeiter sich aufgrund der Nachricht ihres Kommens hinter ihren Schreibtischen versteckten und alles technische Equipment noch unter vermeintlicher Lebensgefahr hektisch auf seine Zuverlässigkeit überprüft wurde. Eine eiskalt dreinblickende Chefin mit mehrköpfiger Entourage durchzog für Minuten die Räume und fast jeder schreckte zurück. Doch statt lobender Worte, nur eine gerümpfte Nase, ein schüttelnder Kopf und subtile Stiche gegen alles und jeden.
Jenseits von "Corporate Identity" und liberaler Arbeitsgestaltung scheint es in vielen Geschäfts- und Arbeitsbereichen das Prinzip vom diktatorischen Riesenunternehmer ohne menschliche Regung noch zu geben. Auch in einer Branche, die sich Freigeistigkeit und Kunst auf die Oberfläche schreibt, in Wirklichkeit aber eher von Etikette und Variation bestimmt ist.
Obwohl ich "Gender-Theorien" für oberflächlichen Unsinn halte, lokalisiere ich, dass Frauen in höheren Positionen zwar nicht grausamer oder kompromissloser in der Verteidigung ihrer Position vorgehen als Männer, andererseits stelle ich fest, dass bei Frauen immer eine bissigere Ausgestaltung ihrer Position mitschwingt, die vermutlich mit dem Kontext in Zusammenhang steht, dass es Frauen oftmals besser verstehen mit ihren Opfern zu spielen: Sie etwa auf charmante Weise zu umgarnen um in der geeigneten Situation auf sie einzustechen. Wobei ich hiermit betonen möchte, dass sich dieser Eindruck eher aus persönlichen Erfahrungen speist.
In David Frankels Film werden die eingänglichen Überlegungen über Macht- und Frauenrollen auf sehr effektive Weise sublimiert. Das verdankt der Film dem Spiel der gewohnt brillanten Merryl Streep als Chefin Miranda Priestly, einigen äußerst treffenden visuellen Einfällen von Kameramann Florian Ballhaus (Sohn von Scorsese-Stammkameramann Michael) und einer im besten Sinne Faust'schen Ausgangsidee, in der das unbedarfte Mädchen Andrea Sachs (gespielt von Anne Hathaway) einen Pakt mit der personifizierten Teufelin eigeht. Merryl Streeps stoisches Mienenspiel, die nach außen getragene Arroganz hinter der sich eigentlich nur eine ungeschminkte alte Frau verbirgt, trägt dazu bei, dass man die konsequente Unlogik, die Fairnisslosigkeit der Macht in einem nach außen hin notwendigen Zusammenhang begreift: Die Welt der Mode ist Oberfläche. Keine profane Oberfläche, sondern ein Ausdruck ihrer Selbst. Zweifellos verlässt auch Frankels Film nicht das eng abgesteckte Terrain einer abgegriffenen Erzählung über ein kleines Mädchen, dass ganz nach "Pretty Woman"-Manier zur Frau wird. Andererseits trägt er jene Erzählung so überzeugend vor, dass der Gehalt größer ist als bei vergleichbaren Filmen. Erstaunlicherweise stieß mein Gehirn dieses primär entertainige Großstadt-Märchen nicht ab, weil es dynamisch inszeniert ist und so treffend und authentisch die Modebranche zu analysieren und zugleich zu persiflieren versteht. "Der Teufel trägt Prada" ist eine hochwertige "Vogue"-Strecke und eine leicht verdauliche Selbstfindungsgeschichte in einem. Qualitativ aus dem Gros an Genre-Kollegen herausragend.
6/10


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