Ich wurde heute von meiner Mutter und ein paar Bekannten zum Essen eingeladen. Es gab erst einen Aperitif für 5 Euro (0,1l !!!), dann die Vorspeise in Form eines Salats, beigelegt mit fein geschnittenen Lachsscheiben und ein wenig Kaviar, danach irgendeine exquisite Fleischsorte mit wasweißich für komischen Schnittchen und keineahnungwas Gemüse mit Nüssen, und zu guter letzt ein Dessert, welches wohl eher ein Designer als Koch auf dem Teller zusammengestellt hat. Zwischendurch lästige Kellner, die - aus irgendeinem Grund - immer über meine rechte Seite eingeschenkt und serviert haben (obwohl die linke Seite viel praktischer gewesen wäre). Komische Rituale wie den Wein erst zu kosten, bevor man ihn einschenken lässt. Und so weiter.
Dann die Heimfahrt. Gespräche über "Man gönnt sich ja sonst nichts", "Ein- bis zweimal im Jahr kann man das ja machen" und "Muss auch mal sein".
Spätere "Diskussionen" beim After-Hour-Bier à la "Das beste Bade-Öl" erspare ich euch.
Jetzt meine Frage: Warum?
Okay, ich bin auch nicht besser. Ich hock' hier in meiner 23 qm Bude (die für viele Menschen alleine zu bewohnen purer Luxus wäre), eingeengt durch mein Bücherregal, meine DVD's, mein PC, mein Fernseher, Videorecorder, Microwelle, Anlage, und und und.
Aber trotzdem. Ich fühle mich sehr oft nicht wohl dabei, nicht zu verschweigen, dass mir das von Jahr zu Jahr weniger als mein Eigentum vorkommt (wie kann ein Mensch überhaupt etwas für sich alleine besitzen??? Wenn irgendein Typ kommt und mir meine Bude abfackelt, kann ich auch nicht mehr als Heulen oder sonstwas...mir gehört nichts. Niemandem gehört irgendetwas, außer - und das ist das einzig wichtige - sich selbst...ironischerweise wird genau dieses einzig und wirkliche Recht in weiten Teilen der Welt unterbunden).
Möglichkeiten, unserer Gesellschaft einen tieferen Blick auf das Leben zu vermitteln, kommen mir ungenügend vor. Ich befürworte zwar ganz klar Demos, aufklärenden Journalismus, ethisch-bewusste Organisationen etc., aber so ganz wirksam erscheinen mir diese Mittel nicht mehr.
Was bleibt ist Wut auf zahlreiche Spießer, auf den konsumierenden Mittelstand, den luxuriösen Reichen, und die Lügner, die das ganze Treiben am Laufen erhalten aka Medien.
Hab' echt keine Orientierung mehr, inwiefern ich mich da nützlich machen könnte. Zur Zeit finde ich mich damit mehr und mehr ab, weiter zu arbeiten, meine Miete zu bezahlen, über Sachen wie Blu-Ray oder HD-DVD nachzudenken, über die ganze Scheiße halt: Sollte ich mir mal eine neue Frisur schneiden lassen, sollte ich meine Bude mal umstellen, sollte ich mir mal eine feste Freundin suchen, sollte ich mal den Führerschein machen, sollte ich gesund leben, Sport treiben, sollte ich mein Image neu auslegen, die ganze scheiß Palette halt.
Und das ist so arm. Dafür sind wir doch keine Menschen. Das ist doch der Aufwand gar nicht wert. Da wäre ich lieber irgendein Tier, das sich den ganzen Tag im Dreck suhlt.
Es muss doch irgendwie, irgendwo eine Möglichkeiten geben, mit dem Leben anzufangen, und das sogar weiter in die Welt hinaustragen zu können.
Oder?!


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