Da regt sich die Nation über brutale Rituale in einer Gebirgsjägereinheit auf. Dort wurden Soldaten zum Essen von roher Schweineleber und anschließendem Alkoholkonsum gezwungen. Waren die Rituale tatsächlich brutal oder war es einfacher Ritus unter Mannschaftsdienstgraden, wie er schon seit Generationen in der Bundeswehr und im Militär anderer Länder vorkommt und gepflegt wird.
Solche Rituale sind mir auch nicht fremd, ich habe zwar nur meine damaligen 15 Monate in einer Hilfstruppe abgeleistet, das war 1983, kenne solche Aufnahmerituale ebenso. Zwar nicht derart grausame Aktionen, wie das Essen von rohen Innereien aber das Trinken einer Dose Bier durch einen 1 Meter langen Schlauch, der einem in den Mund gesteckt wurde, während man sich mit dem Rücken auf den Boden legen sollte. Die Dose Bier wurde dann von oben, in den senkrecht gehaltenen Schlauch, zügig, in die obere Öffnung des Schlauches reingekippt. Natürlich entstand durch das Gefälle des Schlauch ein gewisser Druck und man mußte schnell Schlucken, damit das Bier nicht über das Gesicht lief. Die ganze Aktion nannte sich dann ABC-Taufe, die Einheit war damals eine ABC-Abwehrkompanie. Der Schlauch war ein Chemikalienzumischerschlauch, eben stilecht, wie der Auftrag der Einheit mit Chemie und Dekontamination zu tun hat. Das ganze Ritual fand zwar unter einem gewissen Psychodruck der "Kameraden" statt, war aber noch relativ freiwillig. Ps.: ich habe sie nicht mitgemacht, weil ich mit einem damaligen Stubenkameraden davongemacht hatte, als das Ritual stattfinden sollte, wir sind kurz vorher aus dem Fenster gesprungen, als die altgedienten "Kameraden" hereinkamen und lauthals die ABC-Taufe ausgerufen wurde.
Ich glaube solche Aufnahmerituale gibt es fast überall in der Bundeswehr, auch heute noch, ebenso wie damals. Ich glaube je elitärer die Einheit, je härter der Kampfauftrag der Einheit, desto härter und grausamer können solche Rituale sein und sind es. Vereinigen sich Menschen unter einem starken Glaubenssystem, dann tritt von selbst irgendwann einmal das schlechteste zu Tage. Die Misshandlung von Kriegsgefangenen in den US-Gefangenenlagern, kurz nach Desert-Strorm, dem Irak-Krieg, sind die letzten Auswüchse und treffen von selbst die schwächsten Mitglieder in der Militärischen Kette. Ich fand die Rituale, welche damals miterlebt hatte, irgendwie schlimm und wollte sie nicht mitmachen. Im Keim fängt so etwas an, im rituellem Spiel äußert sich etwas, was im Krieg schließlich zur Mißhandlung wird.


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Hehe. Vorallem... 'nur' eine Dose? Da wird der Schlauch ja nichtmal voll. :wink:

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