Vor kurzem ist ja der vierte Teil der Twilight-Saga gestartet. Und wieder einmal häufen sich die amüsanten Reviews zum Film, die das Twilight-Phänomen belächeln und das selbsterlebte Martyrium des Filmkritikers in blumige Allegorien und originellen Wortwitz verpacken. Ich muss gestehen, dass ich einige Kritiken gelesen habe, so unter anderem die MovieMaze-Kritik. Und auch wenn ich mir das ein oder andere Schmunzeln nicht verkneifen konnte, muss man doch festhalten, dass es gerade bei diesen Filmen nur allzu leicht ist, sich über die Filme und deren Zuschauer, oder sagen wir in dem Fall vielleicht sogar Fans, lustig zu machen. Die Twilight-Saga ist einfach ein zu gefundenes Fressen, ein äußerst dankbares Opfer für Spott und Häme.
Natürlich sind diese Filme keine cineastischen Meisterwerke. Ich glaube darauf hat es auch keiner der Beteiligten angelegt. Aber sind wir mal ehrlich: "Transformers" ist von einem anspruchsvollen, filmischen Standpunkt aus gesehen genauso unterdurchschnittlich. Ist nur ein anderes Zielpublikum. Vielleicht macht es bei den Twilight-Filmen gerade deshalb so viel Spaß, sich über sie zu amüsieren, weil die Zielgruppe aus pubertierenden Mädchen besteht. Und wir alle wissen in welchem hormonvernebelten Geisteszustand man sich als Teenager befindet. Und vor allem ist auch bekannt, dass sich diese Zielgruppe unglaublich aufregen kann, wenn man an sich an deren Idolen vergeht. Das macht sicher auch einen Teil des Spaßes aus.
Ich würde aber gerne mal über einen inhaltlichen Aspekt der Filme sprechen. Und zwar ganz ernst gemeint. Ohne Zynismus und bösen Hintergedanken. Vorausschicken möchte ich, dass ich nur die ersten beiden Filme kenne. Den ersten habe ich mir damals angesehen, als er auf DVD veröffentlicht wurde. Aus Neugier. Um zu sehen was hinter diesem Phänomen steckt. Den zweiten Teil, New Moon, habe ich sogar dreimal gesehen. Lief auf einem Flug nach New York als Dauerschleife im Boardprogramm. Eclipse und Breaking Dawn kenne ich nicht. Die folgenden Bemerkungen und Fragen stützen sich also nur auf Kenntnis der ersten beiden Filme, sowie einzelnen Gesprächen mit Augenzeugen der anderen Teile und Lesern der zugrunde liegenden Romane, sowie sporadisch konsumierten Medienberichte.
Ich wundere mich ganz ehrlich, welch altbackene Frauenbild in diesen Filmen angepriesen wird. Und ich frage mich, wie es sein kann, dass sich junge Mädchen heutzutage mit diesem Frauenbild identifizieren können. Ganz klare Identifikationsfigur ist ja Bella, die ihren Edward anschmachtet, sehnsüchtig auf den ersten Biss wartet, hin und wieder abgelenkt von einem Latino-Werwolf mit nacktem Oberkörper. In beiden Filmen die ich gesehen habe, wird Bella als durch und durch passives Mädchen charakterisiert. Sie macht im Grunde absolut gar nichts. Sie agiert nie. Sie reagiert nur. Sie lässt sich und ihre Handlungen komplett von den männlichen Gefährten in ihrem Umfeld diktieren. Man könnte sogar so weit gehen, zu sagen, sie hat gar keine eigene Persönlichkeit. Sie ist nichts weiter als ein Spielball der anderen Figuren. Stets bereit. Aber ohne jegliche Eigeninitiative.
Hand in Hand gehen ja auch die in der Serie etablierten sexuellen Moralvorstellungen. Da wird der erste Biss des Vampirs bis zur Unerträglichkeit zur Entjungferungsmetapher hochstilisiert und der gesamte Umgang mit Sexualität so altbacken und bieder vorgebetet, dass selbst eingeschworene Katholiken des 18. Jahrhunderts Fremdscham verspüren würden. Das gesamte Weltbild ist so bieder und verklemmt konservativ, dass mans fast nicht ertragen kann. Selbst als nicht Emma-Abonnent.
Die Filme gehen teilweise ja sogar so weit, dass spontane Gewaltausbrüche der männlichen Protagonisten gegenüber ihren weiblichen Gegenübern wie selbstverständlich mit "Das liegt halt in deren Natur. Das muss man akzeptieren." gerechtfertigt werden.
Eine Erklärung für die völlig verqueren Moralvorstellungen, die in diesen Filmen transportiert werden, sind natürlich recht schnell in der persönlichen Vita der Autorin ausfindig zu machen. Ich wundere mich aber sehr, dass die gute Frau damit so große Erfolge feiert.
Ich frage mich ernsthaft, wie es sein kann, dass sich junge Teenager, die in der heutigen Zeit in unserer westlichen Welt aufwachsen, von solchen Lebensentwürfen angesprochen fühlen. Wie kann das sein? Ich mein, das sind ja jetzt nicht die Kultfilme einer kleinen Mormonengemeinde, sondern bei pubertierenden Mädchen weltweit ein voller Erfolg. Wie um alles in der Welt kann sich denn eine 13-jährige heutzutage mit einer Figur wie Bella identifizieren, die in ihrer Charakterisierung wie ein totaler Anachronismus wirkt. Sind Freiheit, Selbstverwirklichung, Gleichberechtigung und all diese Dinge heutzutage doch keine Selbstverständlichkeit? Spielen diese Werte für junge Frauen heutzutage vielleicht gar keine Rolle mehr? Möchten junge Mädchen heutzutage gar keine eigenständigen, selbstdenkenden und selbstbestimmten Personen sein oder zumindest werden? Gleiches gilt für die altbackenen sexuellen Moralvorstellungen. Wie kann sich denn ein Teenager heutzutage von sowas angesprochen fühlen? Verstehe ich nicht. Vor allem, wenn das ganze nicht einmal ansatzweise romantisch dargestellt wird.
Mit diesen Fragen im Hinterkopf kann ich mir den Erfolg der Serie echt nicht erklären.
Ich würde ja gerne mal 100 jungen Mädchen genau diese Fragen stellen. Wahrscheinlich ist dieses Forum auch nicht der richtige Ort für dieses Topic. Kann mir nicht vorstellen, dass hier so viele Teenies vorbeischauen. Aber vielleicht hat ja der ein oder andere Soziologie-, Psychologie- oder Anthropologiestudent was schlaues beizusteuern. Oder vielleicht gibt es jemanden, der in seiner Familie oder seinem Bekanntenkreis Teenager hat, die vom Twilight-Virus befallen sind und der so ein bisschen Licht ins Dunkel bringen kann.


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Bei uns im Kinokomplex müssen sogar die Beschäftigten deswegen blaß geschminkt und in schwarzer Kleidung rumlaufen um den Filmstart zu pushen.. tztz


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