Es ist schon, finde ich, eine sehr feine Ironie des Schicksals, daß ausgerechnet jetzt in den Tagen der Beisetzung Möllemanns (nach dessen evtl Freitod) ausgerechnet der Mann, gegen den er sich heftigst aufgelehnt hatte und der (bzw das eigene Vorgehen gegen ihn) Mölli letztlich zu Fall brachte nun selbst unangenehm und unversehends ins Rampenlicht der Justiz gerät. Das Opfer evtl ein Täter? Der Täter evtl ein Opfer?
Ob der Drehbuchschreiberling der Historie, der dieses Schicksal inszeniert, ein Schelm der, selbst über sich und seine Taten schmunzelt?
Vorverurteilungen sind im einen wie im anderen Falle ein zweischneidiges Schwert und sollten eigentlich nicht sein, letztlich ist aber eine solch prominente Medienberichterstattung auch nix anderes. Ich sage nicht, daß er schuldig ist, woher sollte ich das auch wissen. Ich erlaube mir nur folgende Frage: wenn ICH unschuldig bin, nix verbrochen und keinen Dreck-am-Stecken hab, keine Drogen gekauft oder genommen habe, was hindert mich dann daran gleich zu meinem Indentanten und zur Presse zu gehen und zu sagen: "Leute ICH BIN UNSCHUDLIG im Sinne der Anklage/Anschuldigungen!". Ich würde nicht schweigen und schon gar nicht über meinen Anwalt verlautbaren lassen, ich würde erst Akteneinsicht nehmen, das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft suchen und solange freiwillig die Sendung aussetzen. Warum auch? Wenn ich doch unschuldig bin!? Bei allem anderen schüre ich doch nur die negative Erwartungshaltung von Medien und Öffentlichkeit und vorverurteile mich quasi selber öffentlich. Selbst wenn mir dann nachher keine Schuld nachgewiesen würde, bliebe doch dann ein schaler Nachgeschmack zurück und etwas von der Affäre haften!
Es gibt wohl kaum eine öffentliche Person der Jetzt-Zeit, die die Nation derart spaltet wie Friedmann. Die Einen lieben ihn, die Anderen verdammen ihn. Er ist mit Sicherheit ein blitzgescheiter Mann, ein unaufhörlicher Verteidiger des jüdischen Glaubens ein lebendes Mahnmal.
Und für seine Rhetorik könnt ich ihn manchmal küssen.
Andererseits frage ich mich gerade in seinem Fall, warum überhaupt Gäste in seine Sendung kommen, wo sie doch wissen, daß ihnen, beinahe egal welcher politischen, gesellschaftlichen und religiösen Couleur sie angehören, bei Friedmann nichts Gutes widerfährt. Daß er ihnen hemmungslos ins Wort fallen und sie nie ausreden lassen wird. Daß sie, wenn sie nicht aufpassen, von ihm gnadenlos abgewatscht werden und anschließend nicht besonders gut ausschauen. Es gibt wohl kaum einen passenderen Sendetitel als "Vorsicht Friedmann!".
In einem einzigen Punkt gebe ich Mölli Recht. Es muß erlaubt sein, auch uns Deutschen, Kritik an der Politik Israels zu üben. Und an den handelnden Personen. Schließlich hat diese unsere Generation keine Schuld auf sich geladen, was zu Nazi-Zeit passiert ist. Man darf das nicht vergessen, nicht ein für allemal abhaken, nicht schönreden. Aber ich muß auch nicht ständig, nur weil ich "by default" Deutscher bin, daran erinnert und damit konfontriert werden a là "schuldig durch Geburt".
Allerdings bleibt bei Mölli der schale Beigeschmack übrig, daß er es nicht aus hehren oder Überzeugungs-Gründen sondern evtl aus niederen monetären und profitablen Gründen getan hat, aus seiner evtl Kungelei mit arabischen Kreisen heraus.
Im Konfliktfall "Israel versus arabische Welt" lege ich schon lange für keine Partei mehr die Hand ins Feuer. Oftmals kommt es mir so vor, als ginge es hier nicht um die Sache -sprich den Frieden- sondern nur um den eigenen Profit, die eigene Position. Berufsopporthunistentum IMO.


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