Johnny Cash, einer der legendärsten und gerade in den letzten Jahren seines Lebens am meisten bewunderten amerikanischen Musiker des 20. Jahrhunderts, ist heute im Alter von 71 Jahren verstorben.
Sein Tod war musikalisch lange vorbereitet worden. Seine beiden letzten Alben, die Meisterwerke "American III: Solitary Man" und "The Man Comes Around", künden vom Abschied vom Leben und einer ungeheuren Zuversicht im Glauben. Schon vor Jahrzehnten hatte Cash Alkohol und Drogen gegen die Bibel und Jesus eingetauscht und sich in diesem Zuge auch von der Country-Music, deren vielleicht größter Vertreter er war, hinfort entwickelt.
Seitdem hat er viele Blues-bezogene Balladen geschrieben, einige der schönsten, erdrückendsten, und damit Musikliebhaber jeder Coleur angesprochen. Auch solche, die nie etwas mit Country-Music zu tun hatten. Unvergleichlich seine Fähigkeit, einen fremden Song durch wunderbare Arrangements zu seinem eigenen zu machen, ihm neue Aspekte abzugewinnen, ihn in einem neuen Licht scheinen zu lassen. Seine letzten Alben drückten schon in ihrer optischen Gestaltung alles aus: Dunkel, fast völlig schwarz zuweilen und nur die vier Buchstaben C-A-S-H strahlen weiß auf dem Cover hervor. Mehr brauchte nicht gesagt zu werden; ein Name wie ein Monument.
Brüchig geworden war seine Stimme in seinen letzten Lebensjahren nach langer Krankheit, fragil und entfernt von jener ungeheuren Tiefe, die ihn berühmt gemacht hatte. Aber gerade das war es, was diese späten Alben so atemberaubend machte: Ihre vollendete, vom Sterben gekennzeichnete Atmosphäre und diese Melancholie der Texte, die Cash immer so vortrug, als sänge er den Song zum letzten Mal.
Johnny Cash hatte das Leben nicht immer gut mitgespielt. Reich war er, aber seit langem schwer krank und allzu viele Menschen, die er liebte, hatte er zu Grabe tragen müssen: Der Tod seiner Frau June, mit der er 35 Jahre lang verheiratet war, war wohl zuviel - selbst für ihn.
Johnny Cash wird mir fehlen. Seine Ehrlichkeit, seine Musik und darin vor allen Dingen die schmerzvollen Lieder seiner letzten Jahre. Wenige Künstler unserer Tage sind der Welt so eindringlich, so dokumentierend und "greifbar" in ihrem Verscheiden abhanden gekommen.
"I hurt myself today
to see if I still feel
I focus on the pain
the only thing that's real
the needle tears a hole
the old familiar sting
try to kill it all away
but I remember everything
what have I become?
my sweetest friend
everyone I know
goes away in the end
you could have it all
my empire of dirt
I will let you down
I will make you hurt
I wear my crown of thorns
on my liar's chair
full of broken thoughts
I cannot repair
beneath the stain of time
the feeling disappears
you are someone else
I am still right here
what have I become?
my sweetest friend
everyone I know
goes away in the end
you could have it all
my empire of dirt
I will let you down
I will make you hurt
if I could start again
a million miles away
I would keep myself
I would find a way"
("Hurt" von Nine Inch Nails; gecovert von Johnny Cash auf seinem letzten Album)


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren

Lesezeichen