wegen des wohl großen Diskussionsbedarfs erlaube ich mir hiermit, ein eigenes topic zum thema pädosexualität (aka pädophilie) zu eröffnen. beginnen möchte ich mit einer wiederholung meines postings über tätertypen in diesem deliktsbereich:
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Täter
Die Täter kommen zwar aus allen gesellschaftlichen Schichten, haben aber dennoch einiges gemeinsam: Sie leben ein perfektes Doppelleben, handeln und denken primär egozentrisch, haben ihre Impulse oft gut unter Kontrolle, sind selten in ihrer Persönlichkeit gestört, haben auch nach ihren Delikten kein Schuldgefühl und leugnen und verharmlosen prinzipiell, was sie getan haben. Die Hälfte der Täter beginnt mit den sexuellen „Übergriffen“ bereits als Jugendlicher. Aus Untersuchungen kennen wir folgende Tätertypen:
- Vergewaltigende Missbrauchstäter erleben erst in der aggressiven Sexualität mit Kindern wirkliche Lust. [/*:m:3hgi9yd3]
- Exhibitionistische Täter lieben die Fantasie, vor Kindern und Frauen ihre Überlegenheit zu beweisen. In Parks oder auf Kinderspielplätzen haben etliche Täter ihre „ersten Erfahrungen“ gesammelt. [/*:m:3hgi9yd3]
- Pädosexuelle Täter haben eine fixierte sexuelle Orientierung auf Kinder. Sie wollen meist selbst wie Kinder sein. [/*:m:3hgi9yd3]
- Inzesttäter planen ihre Taten oft jahrelang, überwinden dabei Hindernisse beim Kind, schaffen Gelegenheiten (z. B. dass die Frau aus dem Haus muss) und bringen Kinder in die Situation, sich schuldig zu fühlen. Sie deuten den Missbrauch um und nennen es „verwöhnen“, „die Liebe erklären“ oder „eine besondere Beziehung“. [/*:m:3hgi9yd3]
- Prädisponierte Täter waren selbst Opfer von psychischem/physischem und/ oder sexuellem Missbrauch und richten ihre unverarbeiteten Erlebnisse als sexuelle Gewalt gegen Kinder. [/*:m:3hgi9yd3]
(Quelle: Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz)
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des weiteren erscheint mir folgender text von manfred paulus aus der reihe 'ZEIT-fragen' zum thema kinderpornographie und kindesmissbrauch sehr informativ, in dem zwischen weiteren vier tätertypengruppen differenziert wird:
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Die «Ware» Kind
Kinderpornographie - ein Deliktbereich mit Problemen
von Dr. Manfred Paulus, Ulm
Die Kinder - sie sind unsere Allerliebsten. Kinder werden aber gehandelt und misshandelt, missbraucht, sexuell genötigt, vergewaltigt, umgebracht ... Kinder werden als Sexualobjekte ausgebeutet, zur Herstellung schmutziger, menschenverachtender Kinderpornographie und zur Sättigung einer immer grösseren Nachfrage im Rahmen eines kriminellen Milliardenmarktes benutzt. Nicht irgendwo, sondern hier, mitten unter uns, vielleicht gleich nebenan. Und draussen, in den Prostitutionstourismusländern dieser Welt, da gehen sie mit Kindern um wie mit den Leihfahrrädern, die an den Stränden für Touristen bereitstehen: Sie werden einem Händler übergeben, und der verleiht sie so lange, bis sie kaputt sind. Dann werden sie durch neue ersetzt. Es gibt ja genug!
Kenner dieses Kriminalitätsbereiches mit all seinen vielschichtigen Problemen beklagen, dass ihm nicht immer und nicht überall der Stellenwert eingeräumt wird, der ihm zusteht und zustehen muss. Sie beklagen auch die Hysterie, die sich nach Bekanntwerden von spektakulären Sexualverbrechen an Kindern breit macht, und das Tabu, das sich dann regelmässig sehr schnell wieder über das ungeliebte Thema legt. Sie beklagen seit vielen Jahren die zu Recht vermuteten extrem hohen Dunkelfelder, und sie fordern auf zahllosen Veranstaltungen, Tagungen und Kongressen immer wieder Massnahmen zur Verbesserung der Situation - freilich bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Sie verlangen zu Recht nach einem Ausbau der Prävention, denn der Kriminalitätsbereich «Sexuelle Gewalt gegen Kinder» ist sehr präventabel und sie fordern richtigerweise eine wirksame, zeugen- und opferfreundliche Repression. Doch alle bisherigen und noch folgenden Bemühungen und Anstrengungen der Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden und der anderen Institutionen, die dabei in der Verantwortung stehen, werden nicht ausreichen, um die heutige Situation entscheidend zu beeinflussen und zu verbessern. Dieser sexuell motivierten Kriminalität an Kindern liegen in all ihren Erscheinungsformen zutiefst gesellschaftliche Probleme zugrunde, die nur (gesamt-)gesellschaftlich abbaubar oder gar lösbar sein werden.
Zahlenspiele
Die Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) sind im Bereich schwerer Sexualstraftaten, auch und vor allem im Bereich sexueller Gewalt gegen Kinder, der falsche, wenn auch oft und gerne angewandte Massstab. Sie verzerren, verfälschen und verharmlosen das Ausmass des tatsächlichen Geschehens, und sie knüpfen kräftig mit an dem Teppich des Tabus, der über diesem Thema liegt.
Wenn, um nur ein Beispiel zu nennen, festgestellt wird, dass in Deutschland jährlich 16000 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern bekannt wurden, so erscheint diese Zahl im Rahmen der Gesamtkriminalität gering, fast bedeutungslos. Wenn jedoch zur Kenntnis genommen wird, dass diese Zahl zum Beispiel die Delikte der sexuellen Nötigung, der versuchten oder vollendeten Tötungsdelikte oder auch die dauervermissten Kinder nicht enthält, weil diese Taten nicht unter «Sexueller Missbrauch», sondern unter dem jeweiligen Delikt in die Statistiken einfliessen, dann wird die vorgegebene Zahl schon sehr fragwürdig. Völlig nichtssagend, ja gefährlich verharmlosend wird sie dann, wenn berücksichtigt wird, dass in diesem Kriminalitätsbereich von einem Dunkelfeld von 1:10 (das in einzelnen Bereichen, so bei den im Ausland begangenen Taten, noch sehr viel höher ist) auszugehen ist. Eine Verharmlosung dieses Geschehens hilft jedoch allein den Tätern und nicht den potentiellen Opfern. Sexuelle Gewalt an Kindern sollte deshalb nicht nach dem Schema
keine Anzeigen
keine Strafverfahren
keine Urteile
keine statistischen Zahlen
kein Handlungsbedarf
verwaltet und abgetan werden. Hier müssen andere, wichtige Aspekte Berücksichtigung finden.
Die Kultur des Schweigens
Drei 5- und 6jährige Jungen spielten in einem Erlebnisbad. Plötzlich mischte sich ein Erwachsener, ein Fremder, in das Spielgeschehen ein. Er hatte die besten Einfälle, die tollsten Spielideen. Beim Hochheben der Buben fasste er, anfangs scheinbar versehentlich, dann aber immer anhaltender und intensiver, zwischen die Beine und in die Badehöschen der Kinder. Erwachsene Badegäste nahmen dies ärgerlich, kopfschüttelnd, ja geradezu entrüstet und empört zur Kenntnis. Sie tuschelten über das Geschehen und sie wandten sich angewidert ab. Sie nahmen dann zur Kenntnis, dass der Unbekannte mit einem der Jungen in die Umkleidekabine ging. Dort kam es zu massivem sexuellem Missbrauch. Sie nahmen auch zur Kenntnis, dass er anschliessend den zweiten Jungen in die Umkleidekabine schob, wo es wiederum zum sexuellen Missbrauch kam. Der dritte Junge, so bemerkten sie, ahnte wohl etwas Verbotenes und machte sich auf und davon. «Mich persönlich ging das nichts an.» «Ich wollte in nichts hineinkommen ... » «Ich dachte, so schlimm würde das alles schon nicht sein ... » «Ich wollte keinen zu Unrecht verdächtigen ... » So und ähnlich lauteten die Aussagen der nachträglich ermittelten Zeug(inn)en. An diesem realen Kriminalitätsgeschehen ist zu erkennen, dass das Delikt des sexuellen Missbrauchs von Kindern mitten unter einer Vielzahl Erwachsener stattfinden kann, ohne dass wirksam eingegriffen wird. Und noch mehr: Die Täter dürfen damit rechnen, dass nicht eingegriffen wird - und sie rechnen damit. Das ist die «Kultur des Schweigens und des Wegschauens», die sich gerade in diesem Kriminalitätsbereich immer wieder zeigt. Sie hilft den Tätern, und sie fördert diese Taten. Sie ist verantwortlich für das hohe Dunkelfeld, und sie ist eines der Grundprobleme dieser Kriminalität. Der Gesetzgeber, die Polizei, die Justiz und auch alle anderen mit dieser Kriminalität betrauten Institutionen können dieses Problem (allein) ganz sicher nicht beheben. Dieser Typisierung ist hinzuzufügen, dass in der kriminalpolizeilichen Praxis gelegentlich auch Täter ermittelt werden, die nicht so recht in dieses Schema passen wollen, die vielleicht als «Mischtypen» bezeichnet werden könnten oder aber auch in diesen Kategorien nicht unterzubringen sind.
Sehr wesentlich erscheint, dass es sich bei den Tätern, die Kinder sexuell motiviert angreifen, in aller Regel nicht um die böse dreinblickenden Männer vom polizeilichen Fahndungsfoto handelt; dass man ihnen ihre Absichten und ihr kriminelles Verlangen nicht ansieht. Sie zeigen sich ihren Opfern gegenüber zumeist nett, freundlich, entgegenkommend und gehen sehr geschickt auf kindliche Denkweisen und Erwartungshaltungen ein. Sie verstehen es, mit Kindern umzugehen. Sie erkennen die Interessen, Wünsche und Sehnsüchte ihres kindlichen Gegenübers oft sehr schnell und verstehen es, dies für ihre Ziele zu nutzen.
Die allermeisten Täter sind im jeweiligen sozialen Umfeld ihrer Opfer zu suchen und zu finden: der Onkel, der Nachbar, der Freund der Familie, der Bekannte, der Trainer, der Betreuer, der freundliche Herr von nebenan und - man muss es leider immer wieder zu Kenntnis nehmen - auch der Vater oder Stiefvater. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, werden Hinweise auf solche Taten und Täter immer wieder ignoriert, die Opfer sind zum Schweigen verurteilt, alleingelassen, ausgeliefert. Somit ist in diesem Bereich von einer hohen Wiederholungsgefahr, von einem hohen Dunkelfeld und, weil die Missbrauchshandlungen mit einem Bruch des Vertrauens zu einer häufig sehr nahestehenden Bezugsperson verbunden sind, von entsprechend schweren Schäden beim Opfer auszugehen. Doch auch die Angriffe fremder Täter werden von erwachsenen Zeugen nur allzu gerne übersehen, Signale, die betroffene Kinder aussenden, werden überhört.
Moderne Technik im Dienste der Täter
Die Datennetze wurden von der Pädo-Szene erstaunlich schnell als ideales Instrumentarium für ihr Treiben entdeckt. Die kontinuierlich anwachsende Anzahl der Angebote und Nachfragen nach Kindern als Sexualobjekte und nach Kinderpornographie stellte die Ermittlungsbehörden vor erhebliche Probleme. Der Vorsprung der Täter wuchs, schien uneinholbar. «Wunderland» und andere, im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit durchgeführte Verfahren anlässlich der Verbreitung von Kinderpornographie im Internet haben jedoch gezeigt, dass sich die Täter in den Netzen nicht immer so sicher fühlen können, wie dies vor wenigen Jahren noch der Fall war. Die Ermittlungsbehörden haben die Herausforderung «Internet» angenommen. Gleichwohl gibt es noch viel zu tun, um auch dieser Variante des sexuellen Missbrauchs von Kindern und seiner Vermarktung noch wirksamer zu begegnen. Vor allem gilt es, die «Multimedia-Gesetzgebung» zügig fortzuschreiben, die internationale Zusammenarbeit zu verbessern (Datennetze kennen keine Grenzen und damit verbundene Hindernisse) und auf die ständigen technischen Neuerungen zeitnah und wirksam zu reagieren. Das Internet und die Kriminalität in den Netzen wird eine ständige Herausforderung bleiben.
Eine wirksame Bekämpfung des Handels mit Kinderpornographie - in und ausserhalb der Datennetze - erfordert jedoch ebenso die Bildung eines breiten, gesamtgesellschaftlichen Problembewusstseins wie der Deliktsbereich «Sexuelle Gewalt gegen Kinder» allgemein.
Die Herstellung, die Verbreitung und der Konsum von Kinderpornographie ist kein Bagatelldelikt. Die Ware ist nicht nur Schmuddelkram. Kinderpornographische Erzeugnisse sind nichts anderes als das dokumentierte und zumeist brutale Verbrechen an einem oder mehreren Kindern mit einem Tatort, mit einem entsprechenden Tatgeschehen, mit einem oder mehreren Tätern. Jedes neue Produkt erfordert neue Opfer. Und jeder, der an solch einem Tatgeschehen teilnimmt, ob als Hersteller, als Vertreiber oder als Konsument, nimmt aktiv an diesem Verbrechen teil, dem ein Kind oder mehrere Kinder zum Opfer fallen. Die Datennetze und andere Techniken haben die Tatgelegenheitsstrukturen ganz erheblich zugunsten der Täter verschoben.
Schon die Videotechnik ermöglichte es plötzlich, dass im heimischen Schlaf- oder Kinderzimmer Kinderpornographie produziert und konsumiert werden konnte, ohne dass noch ein Dritter Zugang hatte. Und wenn ein Pädokrimineller heute im thailändischen Pattaya oder auf den Philippinen ein Kind missbraucht und das Geschehen filmt (was gängige Praxis ist, weil sich dadurch der nächste «Abenteuerurlaub» finanzieren lässt), dann muss er dieses kinderpornographische Erzeugnis nicht mehr durch lästige Polizei-, Zoll- und Flughafenkontrollen bringen. Er geht ins nächstgelegene Internet-Café und überspielt das Produkt ins Wohnzimmer daheim.
Die Täter
Täter, die Kinder sexuell motiviert angreifen, sind in aller Regel männlich. (Täterinnen dürften von der Anzahl her so gering sein, dass sie hier unberücksichtigt bleiben können, wobei dieser Bereich weitgehend unerforscht erscheint und von einem extrem hohen Dunkelfeld geprägt sein könnte.) Und den Täter gibt es nicht. Es gibt dagegen sehr verschiedene Tätertypen mit unterschiedlicher Motivation, mit unterschiedlichen Zielen, mit unterschiedlichen Vorgehensweisen.
Nach den heutigen wissenschaftlichen und kriminalpolizeilichen Erkenntnissen ist im wesentlichen von vier Tätertypen auszugehen: vom auf Kinder fixierten, vom regressiven, vom soziopathischen und vom Erlebnistätertyp.
- Der in seiner sexuellen Ausrichtung auf Kinder fixierte Tätertyp beginnt häufig schon in seiner Jugend- /Pubertätszeit, seine pädosexuellen Interessen umzusetzen. Seinem Alter entsprechende sexuelle Beziehungen bleiben ihm auch im späteren Leben fremd. Er wirkt nicht selten unreif, fühlt sich minderwertig, handelt zwanghaft und geplant. Weil er früh erkennt, dass sein Verlangen oder Tun von seinem Umfeld nicht akzeptiert wird, baut er ihm gegenüber oft ein geschicktes Schutzverhalten auf. Ein perfekt getarntes, über Jahre und Jahrzehnte hinweg unerkanntes und funktionierendes Doppelleben ist keine Seltenheit. [/*:m:3hgi9yd3]
- Die primäre sexuelle Orientierung des regressiven Tätertyps gilt Gleichaltrigen. Seine pädosexuellen Interessen entstehen meist erst im Erwachsenenalter. Eine konfliktreiche Beziehung, ein Schicksalsschlag, aber auch Alkohol- oder Drogenexzesse und andere Ursachen können Anlass dafür sein, dass er mit seiner Sexualität im Erwachsenenbereich plötzlich nicht mehr zurechtkommt und sich Kindern zuwendet. [/*:m:3hgi9yd3]
- Der soziopathische Täter handelt aggressiv und oft rücksichtslos. Er zeigt nicht selten sadistische Neigungen. Mitleid mit dem Opfer und Schuldgefühle sind ihm fremd. Er will beherrschen, erniedrigen, benutzen und setzt seine (sexuellen) Interessen ohne Skrupel durch. Das Verletzungsbild bei seinen Opfern ist dementsprechend. [/*:m:3hgi9yd3]
- Der Erlebnistäter liebt die Abwechslung und den Reiz des Neuen. Seine Experimentierfreudigkeit führt ihn hin zum Kind, wenn sich die Gelegenheit bietet. Dementsprechend spielt er im Bereich des Prostitutionstourismus eine ganz entscheidende und immer grössere Rolle. [/*:m:3hgi9yd3]
Die Jagdmethoden
Das Erlebnisbad, Kinderspielplätze, die einsame Landstrasse und der Schulweg sind allerdings keineswegs besondere Gefahrenorte für Kinder. Angstorte (besorgter Eltern) sind in diesem Kriminalitätsbereich mit den Tatorten keineswegs immer identisch, und auch über die Angriffsarten und Jagdmethoden der Täter liegen oft keine, oft nicht ausreichende und wenn, dann falsche Vorstellungen vor. Wir sollten zur Kenntnis nehmen, dass es offizielle Organisationen gibt, die diesen Tätern mit Rat und Tat beiseite stehen: Organisationen, die international agieren und die Hinweise darauf geben, wie und wo Kinder zur sexueller Ausbeutung zu haben sind, Organisationen, die ihren Mitgliedern und Anhängern Tips über geeignete Vorgehens- und richtige Verhaltensweisen geben, die über Polizeitaktiken informieren, vor Risiken warnen und die selbst Haftbetreuungen anbieten und durchführen. Wir sollten auch zur Kenntnis nehmen, dass es Tarnorganisationen gibt, die gleiche oder sehr ähnliche Ziele verfolgen. Selbsthilfegruppen und ähnlich benannte Einrichtungen wurden mehrfach als Kontaktbörsen enttarnt. Enttarnt wurden Verbindungen, Vernetzungen, Verbrüderungen und Seilschaften, die mitten unter uns über lange Zeit hinweg unerkannt, unentdeckt und unverfolgt, einem Geheimbund gleich, agierten. Solche Organisationen und Tarnorganisationen geben (oft illegale) Zeitschriften und Informationsschriften heraus, die innerhalb der Pädosexuellen-Szene vertrieben und verteilt werden. Nicht selten enthalten solche Druckwerke kinderpornographische Aufnahmen und einen Annoncenteil, in dem die «Ware Kind» ganz unverhohlen zur sexuellen Ausbeutung angeboten wird: «Zwei Polenmädchen, 11 und 12 Jahre alt, eines angestochen, eines nicht, Wochenendpreis DM 2000.-.» Auch in Sexkontakt-Magazinen für Erwachsene wird von den angeblichen Kinderfreunden annonciert. Wenn solche Magazine legal und ab dem 18. Lebensjahr zu kaufen sind, ist es erforderlich, sich hier einer Tarnsprache zu bedienen. Ein Angebot oder eine Nachfrage mit dem Hinweis «gegen Taschengeld» kann der Hinweis auf den Verleih eines Kindes zu sexuellen Zwecken sein.
Pädosexuelle tummeln sich auch in Zeitschriften und Zeitungen mit den Rubriken «Bekanntschaften», «Er sucht Sie» oder «Sie sucht Ihn». Sie agieren in vielen Printmedien und überall dort, wo es in irgendeiner Form um Kinder geht. Wenn eine kleine Darstellerin für Märchenfilme gesucht wird, ist der Verdacht nach den Erkenntnissen von Ermittlern keineswegs unbegründet, dass in Wirklichkeit die Herstellung von (Kinder-)Pornofilmen beabsichtigt ist. Und wenn Nachhilfeunterricht ausschliesslich für Schülerinnen (und nicht für Schüler) angeboten wird und dabei vielleicht sogar noch eine bestimmte Altersstufe angesprochen oder angedeutet wird, so begründet auch dies einen Verdacht. Selbst das Angebot von gebrauchter Kinderkleidung in einer Tageszeitung stand am Anfang eines erfolgreichen Ermittlungs- und Strafverfahrens. Der Sachbearbeiter weiss seitdem, dass so ein Angebot sehr wertvolle Informationen für den oder die Täter enthalten kann: das Geschlecht des Kindes, seine Körpergrösse und sein etwaiges Alter und die Tatsache, dass seine Eltern finanziell bedürftig sein könnten - gerade hierin lag in diesem Fall die Einstiegschance. Selbst das Angebot «Jasmin (12) verkauft ihr Kinderfahrrad ... » veranlasste einen Pädokriminellen zum Handeln. Er interessierte sich für das Fahrrad und bot schon beim ersten Telefonat mit dem Kind - zu dessen Überraschung - seine Dienste als sexueller Aufklärer an. Wohlwissend, dass Mädchen in diesem Alter sexuell neugierig und häufig nicht altersentsprechend aufgeklärt sind!
Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei der 13jährigen Brieffreundin aus einem Jugendmagazin durchaus um einen 50jährigen Pädosexuellen handeln kann, der damit seine Netze auslegt. Völlig unverfänglich erschien die Suche eines 35jährigen nach Kontakten mit 10- bis 17jährigen Fans eines Fussball-Bundesligisten in dessen Fan-Magazin. Keiner konnte ahnen, dass der Inserent alle Zuschriften der über 12jährigen ungelesen in den Papierkorb warf und sich nur für die 10- bis12jährigen Jungen interessierte, dass er diese zum nächsten Heimspiel der 1. Mannschaft einlud, mit kostenloser Übernachtungsmöglichkeit bei ihm, versteht sich ... Die Jagd- und Fangmethoden in den Printmedien zeigen alle denkbaren und weniger denkbaren Variationen, und sie werden nach wie vor (zumeist unbemerkt und unentdeckt) in breitem Masse genutzt. Auch im Zeitalter des Internet.
Der Prostitutionstourismus
Nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef werden weltweit zwei Millionen Kinder sexuell ausgebeutet, und diese Ausbeutung nimmt kontinuierlich zu. Die Tatorte liegen längst nicht mehr nur in Südostasien, in Thailand, Kambodscha, Vietnam, in Laos oder auf den Philippinen. Es gibt sie weltweit und auch direkt vor unserer Haustür - so zum Beispiel an der E 55 in Tschechien. Innerhalb der deutschen Pädoszene ist der «Thailandfahrer» ein fester Begriff. Es ist derjenige, der jährlich einmal oder auch öfter in eines der bekannten Zielländer fährt oder fliegt, um sich an den Kindern anderer zu vergreifen. Es ist ein Drama und Skandal zugleich, was sich in ganz bestimmten indischen Hotels, an Sri Lankas Stränden, in Manila, Pattaya, Agadir, Moskau und St. Petersburg, in Rio und Recife, in Kenia und in der Karibik, um nur einige Ziele der Ausbeuter zu nennen, täglich abspielt. Und nicht nur dort: Die Gier der Täter veranlasst sie immer wieder und immer häufiger, ihre kleinen Opfer auch nach Deutschland einzuladen, wo sie nicht selten im vertrauten Freundeskreis weitergereicht werden. Ausbeutung total - getarnt als grosszügige Geste, als kostenloser Erholungsaufenthalt!
Vielleicht aber muss man die dicht behaarten Männerarme über den schmalen Schultern eines Kindes, die lüsternen Blicke eines solchen Täters, die auf ein einigermassen erträgliches Geschehen hoffenden Blicke eines solchen Kindes gesehen haben - wenn es in Richtung Absteige oder Hotel geht -, um zu begreifen. Vielleicht muss man gehört haben, dass diese Täter Deutsch sprechen, Hochdeutsch, Hessisch, Bayrisch, Schwäbisch, so wie du und so wie ich - um zu verstehen. Vielleicht muss man einmal den berechtigten, kritischen und peinlichen Fragen eines nachdenklichen Menschen ausgeliefert sein, um das ganze Drama des Geschehens zu erkennen. Ich werde die Fragen einer jungen, thailändischen Journalistin von der «Bangkok-Post» nie vergessen. Sie wusste sehr genau, was mit den Frauen und Kindern ihres Landes tagtäglich geschieht und was mit den Tätern hierzulande nicht geschieht.
Präventionsgedanken
Wie und warum, so fragt man sich, ist das nur möglich. Betrachten wir das Verhalten der betroffenen Kinder, ohne dabei auch nur im entferntesten an eine Schuldzuweisung zu denken, so fällt auf, dass es keiner der Buben gewagt hat, im Planschbecken Erwachsene auf das Tun des Täters aufmerksam zu machen. Es fällt auch auf, dass sie mit dem Täter in die Umkleidekabine gingen, ohne sich dagegen zu wehren und dass nur eines der Kinder «den Mut» hatte, zu Hause von den Vorkommnissen zu berichten. Man stelle sich nur vor, eines der Kinder hätte im Bad hinausgeschrien, dass ihm der Fremde in die Badehose fasst, dass er mit ihm in die Kabine will. Man stelle sich vor, ein Erwachsener hätte den Täter unüberhörbar dazu aufgefordert, von dem Jungen abzulassen! Damit aber haben diese Täter offensichtlich nicht zu rechnen und sie sind sich da auch sehr, sehr sicher, wie nicht nur dieses Fallbeispiel beweist. Es ist - und solche Erkenntnisse müssen von der Polizei im Rahmen der Prävention an Eltern und Erzieher weitergegeben werden - von grösster Bedeutung,
dass Kinder lernen, in bestimmten Situationen auch einem Erwachsenen gegenüber einmal entschieden nein sagen zu können,
dass Kinder lernen, auch über sexuelle Inhalte zu sprechen und Dinge beim (richtigen) Namen zu nennen,
dass sie eine Vertrauensperson haben, der sie auch Unangenehmes, Peinliches erzählen können,
dass Kinder «stark» und selbstbewusst gemacht und zur Selbstbehauptung hin erzogen werden.
Ohne dass die Polizei in die Kompetenz von Sexualpädagogen eingreifen will und ohne dass hier vollständige Leitlinien für die Erziehung von Kindern erstellt werden sollen: Erziehende sollten sich immer wieder fragen,
ob sie die notwendige Zeit für die ihnen anvertrauten Kinder aufbringen,
ob sie ihnen die Liebe schenken, nach der sie sich sehnen,
wie oft sie Kinder zurückweisen,
wie oft sie Kinder (in sexuellen Bereichen) anlügen,
wie oft sie Kinder schlagen.
Und vielleicht sollten sich in der Verantwortung stehende Erwachsene auch fragen, ob die ihnen anvertrauten Kinder die paar Groschen zur Erfüllung ihrer kleinen Wünsche in der Tasche haben.
(Quelle: zeit.de)


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