Wer erinnert sich noch an die Patriotismusdebatte vor einigen Jahren, an die Frage, ob man stolz sein dürfe, Deutscher zu sein, oder ob der Schatten der Geschichte dies verbiete?
Nun, ich bin Patriot. Lokalpatriot allerdings. Mein Leben habe ich in Stuttgart verbracht, fast 25 Jahre lang, bis zur Flucht in ein anderes Leben, ins Studium nach Würzburg. Eine Flucht, geboren aus einer Sehnsucht nach etwas Neuem, aus der Überzeugung, in der gewohnten Umgebung nicht mehr atmen zu können, unter den Verpflichtungen zu ersticken, aus der Risikolust, das selbst gemachte Bett zu verlassen und zu versuchen, ein neues zu bauen. Ein größeres, schöneres.
Nun lebe ich seit einigen Monaten ein neues Leben, genieße es, atme durch, sauge es auf, in mich hinein. Und doch ist die gelegentliche Rückkehr in das alte Leben so zuckersüß, so wundervoll erfrischend. Es stimmt eben: erst im Verlust erkennt man die Schönheit des Verlorengegangenen. Egal wohin der Wind mein Leben wehen wird, ich werde immer wieder an den Ursprung zurückkehren. Die Heimat bleibt bestehen. Die Stadt, die ich liebe. Mit ihren schönen und ihren hässlichen Seiten.
Ich bin Deutschland? Nein, ich bin Stuttgart.
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