Geht es Euch so, dass Ihr immer wieder so schöne, furchtbare, interessante oder skurrile Erlebnisse in Aufzügen habt? Ich halte den Fahrstuhl echt für eine tolle Erfindung. Nicht nur, weil man in Windesheile und ohne Gefahr zu laufen, an akuter Atemnot zusammenzubrechen problemlos vom Erdgeschoss in den 12 Stock kommt, sondern auch weil es so eine Art Mikrokosmos ist, eine ganz eigene Welt. Menschen steigen zu, steigen wieder aus. Für einen kurzen Augenblick ist man völlig fremden Leuten auf wenigen Quadratmetern ausgeliefert. Manchmal führt man nette Gespräche, manchmal betet man aber auch nur, dass man endlich im angepeilten Stockwerk ankommt.
Gestern fuhr ich mit dem Aufzug in der Klinik. Ich hatte es eilig. Musste vom Keller nach ganz oben. Im zweiten Stock steigt eine Putzfrau ein. Sie drückt auf den Knopf für den Dritten. Da reisse ich mich zu einer süffisanten bemerken hin: "Naja, also den einen Stock könnte man doch auch laufen, oder?". Darauf hin verändert sich das Gesicht der Frau binnen einer Bruchteilsekunden in einen schmerzverzerrten Blick: "Mein Bein, große Schmerzen, ahhhhh", wobei sie sich krampfhaft an ihren rechten Oberschenkel fasst. Wir erreichen den dritten Stock, die Tür geht auf. Der Blick der Putzfrau klar wieder auf und sie verlässt leichtfüssig und quietschfiedel den Fahrstuhl. Also falls die Academy of Motion Pictures hier mit liest: Definitiv oscarreif
Heute morgen war ich Zeuge einer richtigen Arsschloch-Aktion. Betrete den Haupteingang, gehe zum Aufzug. Dort steht bereits eine Dame, den ganzen Arm voller gestapelter Akten. Ich geselle mich dazu. Eine zweite Frau (im Nachfolgenden "die Arsschlochfrau"kommt am Aufzug an und wartet ebenfalls auf den Aufzug. Endlich ist er da. Die Arsschloch-Frau hüpft hinein, ich hinten nach. Die Dame mit den AKten ist einen kurzen Augenblick abgelenkt, weil sie einen vorbeilaufenden Kollegen grüßt. Die Türen schließen sich. Die Dame schreit: "Halt...". Ich werfe meinen Fuß todesmutig zwischen die Tür, doch das Ding will nicht wiederaufgehen. Die Türen sind geschlossen, der Fahrstuhl stezt sich in Bewegung. Ich drehe mich nach links und sehe die Arsschloch-Frau, die ihren Finger immer noch auf der Taste hat, die die Aufzugtüren manuell schließt. Sie sieht auf und sagt: "Tja, Pech gehabt". gerade will ich zum verbalen Rundumschlag ausholen, da geht die Türe auch schon wieder auf und die Arsschloch-Frau steigt aus. Sie musste auch nur ein Stockwerk fahren. Und somit haben wir die Brücke geschlagen zur Geschichte Nummero uno.


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