Da war doch was. Wegen temporärer Abwesenheit bin ich dir noch eine Antwort schuldig geblieben. Mittlerweile habe ich die Staffel auch komplett gesehen und einen gefestigten Eindruck gewonnen. Bei allen von mir bereits genannten Einschränken bietet Spartacus schon genug Unterhaltung, um einen bei der Stange zu halten. Der Amerikaner würde die Show wahrscheinlich als 'guilty pleasure' beschreiben. Für mich war die Serie interessant, weil ich früher mal gerne diverse Rollenspiele gezockt habe und auf dem PC auch heute noch dem Genre verbunden bleibe. Insofern konnte ich dem Szenario mit seinen Kämpfen und den Charakterverteilungen wohlwollend etwas anfangen. Die Schöpfer haben sich ja auch immer bemüht Abwechslung in die Episoden zu bringen und so wurde es auch nicht langweilig.
Grenzwertig bleibt das gestalterische Rumgewichse. Kurzfristig macht manches tatsächlich Eindruck. Immerhin hat man sich kräftig bemüht, ja nicht den Anschein von falscher Zurückhaltung zu erwecken. Wann hat man schon mal eine Serie gesehen, in der so derbe auf den Putz gehauen wird. Vieles davon ist dann aber schon wieder Geschmackssache. Das Blut zum Beispiel spritzt in Fontänen hektoliterweise durch die Arena, hinterlässt mit seiner Übertriebenheit aber schon wieder einen artifiziellen Eindruck. Mich hat das schon wieder an den japanischen Animestil erinnert. Persönlich gefällt mir eine Gewaltdarstellung wie bei Braveheart oder Gladiator besser.
Ein anderer Punkt betrifft das ganze Rumgeficke. Ich gestehe, dass ich mich bei der offensichtlichen Fleischbeschau dem Voyeurismus willig ergeben habe - auch wenn für meinen Geschmack der Anteil der Männerdarstellung viel zu hoch war. Irgendwann tritt aber auch da ein Gewöhnungseffekt ein und lässt den Zuschauer vergleichsweise kalt. Irgendwie albern finde ich die extreme Übersexualisierung aber schon. Ob jeder zweite Satz Ausdrücke über die menschlichen Sexual- oder Verdauungsorgane beinhalten muss, frage ich mich? Selbst im alten Rom kann ich mir nicht vorstellen, dass die Leute beim Fluchen immer Jupiters Schwanz bemühten, die Frauen sich bei öffentlichen Veranstaltungen alle paar Minuten die Brüste entblössen oder auf offener Straße rumrammeln. Es kam mir übrigens so vor, als wäre es immer die gleiche Frau, die sich an diversen Orten von irgendeinem Typen durchnehmen lässt. Diese Übertreibung hat für mich eher etwas Bemühtes wie bei jugendlichem Geltungsdrang.
Wie schon angedeutet, fand ich das eher lustig. Aber ich will mich mit Kritik zurückhalten. Die Intention der Macher ist eindeutig ein ausuferndes Spektakel bei dem man sich bewusst mit Grenzen und echter Ernsthaftigkeit zurückhält. Das schluckt man oder eben auch nicht. Wer die Serie komplett kuckt und sich dauernd über solche Feinheiten aufregt, ist eindeutig im falschen Film. Also: Unterhaltung gehabt, über den bekloppten Wahnsinn gelacht oder die Augen verdreht und unterm Strich ist die Show flott durchgekuckt worden.


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