Groucho Marx bezeichnete ihn als "a fascist", und man muss zugeben: Obwohl Sam Wood (1883 - 1949) zwei herrlich anarchische "Marx Brothers"-Filme drehte, gilt er als einer der reaktionärsten Regisseure seiner Zeit, der sich als Präsident der konservativen Motion Picture Alliance for the Preservation of American Ideals (MPAPI) mit grösster Freude an der berüchtigten Jagd auf "Kommunisten" im Filmgeschäft beteiligte und 1947 gierig vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe aussagte (er denunzierte u.a. Lewis Milestone und John Cromwell).
Es mag denn auch nicht erstaunen, dass die grosse Stunde des Mannes, der sich seine Sporen bei Cecil. B. DeMille und Erich von Strohheim abverdient hatte und bereits 1919 erste Stummfilme drehte, zu einer Zeit schlug, in der sich die USA auf ihre eigenen Werte besannen und patriotische Filme verlangten: Der Mann, der sich eigentlich vor allem als Routinier durch sämtliche Genres bewegte und auch am Dreh zu "Gone With the Wind" beteiligt war, wurde allein zwischen 1940 und 1944 vier Mal für den Oscar nominiert - ohne ihn je zu erhalten. - Während dieser Zeit begeisterte er sein Publikum mit Fetzen wie "The Pride of the Yankees" (1942) und verhalf einem Schauspieler namens Ronald Reagan in "Kings Row" zur besten Rolle seines Lebens und einer Frage, an die sich dieser als Präsident der Vereinigten Staaten in sentimentalen Momenten (und der geistigen Umnachtung nahe) gerne zurückerinnerte: "Where's the rest of me?". - Faszinierenderweise machte ihm das Schicksal immer wieder einen Strich durch seine "patriotische" Gesinnung, und einige seiner bedeutendsten Filme (etwa "For Whom the Bell Tolls", 1943) sollten nicht so ganz in sein Konzept passen.
Im Gegensatz zu Elia Kazan oder Edward Dmytryk, die von ihrer - nicht unbedingt freiwilligen - Aussage vor dem "Komitee" ein Leben lang verfolgt werden sollten, hatte Wood das Glück, 1949 an einem Herzinfarkt zu sterben. Er bleibt denn auch als perfekter Unterhalter, der sich gekonnt dem Studiosystem anpasste, in Erinnerung.
Filme (Auswahl):
- A Night at the Opera (1935)
- A Day at the Races (1937)
- Goodbye, Mr. Chips (1939)
- Our Town (1940)
- Kitty Foyle (1940)
- The Devil and Miss Jones (1941)
- Kings Row (1942)
- The Pride of the Yankees (1942)
- For Whom the Bell Tolls (1943)
- Saratoga Trunk (1945)
- Ambush (1949)
Hier gehts zu meiner Besprechung von Wood's im deutschsprachigen Raum leider weitgehend in Vergessenheit geratenen Verfilmung von Thornton Wilder's "Our Town" (1949), die ohne den Einfluss des Produzenten Sol Lesser vermutlich auch zur rührseligen Hymne auf Amerika ausgeartet wäre:
Whoknows Presents: Her mit der deutschen DVD! - die Siebente
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aber sobald ich endlich mal 'For Whom the Bell Tolls' zu ende gelesen habe, wage ich mich mal an die verfilmung. bisher keine gute erfahrung mit verfilmungen von Hemingway gemacht, 'The Sun Also Rises' + 'The Old Man and the Sea' nach nicht allzu langer spielzeit abgebrochen und den verdacht aufgestellt, dass man die bücher vielleicht einfach in ruhe lassen sollte - zumindest der klassische hollywood-stil mit seiner 08/15 dramaturgie scheint den werken nicht gerecht zu werden (wobei ich mir im klaren bin, dass The Old Man and the Sea total aus der reihe fällt - aber die restlichen romane bieten keine klare dramatik und sind ja schon fast mehr berichte und viel weniger ein konstruierter spannungsbogen).
Ich empfand "For Whom the Bell Tolls" nämlich trotz der prominenten Besetzung auch eher als etwas schwerfällige, wenn auch hollywoodkonforme Kost. Da sagte mir Henry King's "The Sun Also Rises" (1957) eher zu, schon weil er die berühmte "lost generation" eindrücklich nachzeichnete.


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