Er wird "Kameramann" genannt, aber eigentlich ist der "Director of Photography", der "Regisseur des Bildes", ein "Bild-Regisseur" eben. Er bedient die Kamera nicht, dafür gibts Camera Operators", er setzt vielmehr die Visionen des Regisseurs (so er eine hat) in gefilmte Bilder um. Oftmals ist er des Schauspielers liebstes Kind, denn er allein schafft es (oder auch nicht) die Schauspieler "im rechten Licht" zu zeigen.
Die Lichtsetzung ist daher ungemein wichtig.
Steven Spielberg nun ist schon ein sehr visueller Mensch, dem die Wucht der Bilder und daraus resultierende Emotionen oft wichtiger erscheint, als die Story.
Schon immer hat Spielberg daher eine erlesene Auswahl an "Directors of Photography" beschäftigt, die vielfach mit dem Academy Award für ihre Leistung ausgezeichnet wurden.
Klangvolle Namen wie
-Vilmos Zsigmond (Sugarland Express)
-Allen Daviau (E.T. / Empire of the Sun)
-Dean Cundey (Jurassic Park)
-Mikael Salomon (Always)
-Douglas Slocombe (Indiana Jones)
-William A. Fraker (1941)
-Bill Butler (Jaws)
-Janusz Kaminski (A.I.)
Mit vielen von ihnen arbeitete er mehrfach zusammen, bei "Close Encounters" beschäftigte er gar drei von ihnen auf einmal, Zsigmond wie auch Fraker und Slocombe, die sich nicht einmal zu schade waren "nur" second unit" -Aufnahmen zu gestalten. Spielbergs alter Freund Allen Daviau mit dem er durch dessen Lichtsetzung grandiose Triumphe bei "E.T." feiern konnte, blieb sogar "uncredited", also ungenannt.
Seit "Schindler's List" ging Spielberg mit Kaminski eine fruchtbare Zusammenarbeit ein, die ähnlich der mit seinem Editor Michael Kahn und seinem Hausmusikus John Williams eine sehr langjährige zu werden scheint.
Kaminskis breites Spektrum umfasst sowohl die sich ins Gedächtnis brennenden Schwarz-Weiß-Bilder von "Schindler's List" über pures Action-Horror-Kino-Vergnügen "Jurassic Park 2", über abenteuerliche Bilder zu "Amistad", beinahe dokumentarische Aufnahmen zu "Saving Private Ryan", bis nun zu "Artificial Intelligence", den ich persönlich als Kaminskis Meisterwerk betrachte.
Seien es die bonbon-farbenen Familienszenen zu Anfang, als auch die düsteren, zuweilen aber auch sehr farbigen Flesh Fair und Rouge City Szenen, wie auch der nüchtern-blasse, fast farblose Endteil im tiefgefronenen NYC: Kaminski zieht alle Register der Farbgebung und somit seines Könnens, und schafft trotzdem über dem ganzen Film ein unwirkliches Licht, das die ganze Künstlichkeit der Figur und der Szenerie noch weiter unterstreicht.
Der Mann muß IMHO einfach einen Academy Award für diesen Film bekommen.


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