Ich möchte hier über Mickey Rourke sprechen. Nicht über seine Skandale, nicht über Rourke den Trinker, Rourke den Schläger – sondern über Mickey Rourke, einen der besten Schauspieler der 80er.
In der Zeit zwischen 1980 bis 1990 hat Rourke eine Reihe großartiger Filme gedreht. Er geht in einen Rollen gänzlich auf, verschwindet regelrecht darin. Seine Vielseitigkeit ist unbestreitbar.
Beginnend als kleiner Brandstifter in „Body Heat“ von 1981, vermochte Rourke es immer zu überzeugen.
In Barry Levinsons „Diner“ (1982) spielte er seine erste größere Rolle. Erstmals konnte Rourke sein überragendes Talent als Schwindler, Charmeur und Böser Wolf in einem entfalten.
Einer meiner persönlichen Favoriten ist und bleibt „Rumble Fish“ (1984) von Francis Ford Coppola. Ein depressiv/ poetisches Meisterwerk in schwarz weiß. Er ist „Motorcycle Boy“, ehemaliger Anführer einer Jungendgang .Von seinem kleinen Bruder, Rusty James (Matt Dillon) vergöttert und idealisiert, zerbricht er an dessen Erwartungen, und dem Sozialen Umfeld. Rourke spielt diese Figur mit Melancholie; gebrochen aber lässig, wie ein Gott von einem anderen Stern, steht er über den Dingen.
In „der Pate von Greenwich Village“ (1983) spielt Rourke erneut den charmanten Verlierer, den Möchtegern Mafiosi Charlie, der sich durch die kriminellen Machenschaften seines Bruders Paulie (hinreißend: Eric Roberts) erst richtig in den Schlamassel reinrutscht, um am Ende aber in einer kleinen, feinen Schlußszene als „Sieger“ aus der Geschichte hervorzugehen.
Ebenfalls eine große schauspielerische Leistung lieferte er 85 unter der Regie von Michael Cimino in „Im Jahr des Drachen“. Als Polizist und Ekel Captain Stanley White stellt er sich selbstgerecht, überheblich und brutal der „gelben Mafia“ entgegen; besessen von dem Gedanken: „gebe ICH auf, gibt das System auf“.
Im Selben Jahr folge Rourke wohl bekanntester Film, das Legendäre Erotikdrama “9 ½ Wochen“. Man mag von „9 ½ Wochen“ denken wie man will – Rourke ist unwiderstehlich. Glatt, böse, und teuflisch charmant, zieht er Elizabeth (Kim Basinger) in seinen Bann, geht zu weit und bleibt am Ende verlassen zurück, unfähig zu erkennen, was er zerstört hat. Bis heute einer DER filme der 80er, der durch seine Werbeästhetik besticht, nur um am Ende die schöne Fassade um so wirkungsvoller in die Brüche gehen zu lassen. Oder um einen Journalisten (Namen vergessen :wink: zu zitieren: „Jede Generation bekommt den Liebesfilm, den sie verdient“.
Abgewrackt schmierig brillierte Mickey Rourke 1987 unter der Regie von Alan Parker an der Seite von Robert DeNiro in „Angel Heart“. Mit seinen abscheulichen Bildern, seiner großartigen Handwerklichkeit und dem faszinierenden Spiel der beiden Hauptdarsteller ist dieser Faustverschnitt abstoßend und fesselnd zugleich.
Mancheiner mag das verworrene Drehbuch kritisieren, aber das bleibt wohl subjektives Empfinden und somit Geschmackssache.
„Auf den Schwingen des Todes“ (1987) ist wohl mein Lieblingsfilme, und eine von Mickey Rourkes besten Rollen (neben „Barfly“, in dem er mit Ironie, Würde und Mut zur Häßlichkeit, den an Charles Bukowski angelehnten Gossenpoeten und Trinker Henry Chinaski darstellt).
In „auf den Schwingend es Todes“ spielt Rourke den IRA Aussteiger, der seiner Vergangenheit nicht entkommen kann. Die Figur ist vom Leben gezeichnet, von enormer Tiefe und Abgeklärtheit. Martin Fallon, der verlorene Killer, der von der Brutalität seines Leben abgestoßen ist, und doch weiß, daß man ihn nicht einfach „gehen lassen“ wird. Ebenfalls grandios: Bob Hoskins als Pater Da Costa, der Zeuge von Fallons letztem Mord wird, und den der Killer zum schweigen bringt, indem er sein Geständnis als Beichte ablegt.
Nach dem leider nur durchschnittlichen „Homeboy“ im Jahre 1988 (Rourke drehte diesen Film wohl eh nur, weil er selber einst Boxer war) folgte „Fraziskus“, die Lebensgeschichte des heiligen Franz von Assisi. Vor allem die Einsamkeit und Verzweiflung des Franziskus ist wundervoll von Rourke herausgearbeitet.
Hier beginnt leider der Abstieg des Mickey Rourke. „Johnny Handsome“ (1989) mag noch ein akzeptabler Thriller gewesen sein, aber von „Wilde Orchidee“ will ich gar nicht erst sprechen. Da kann man nur wirklich nichts rechtfertigen. Ebensowenig bei der Fortsetzung von „9 ½ Wochen“: „Love in Paris“. Dieser Film ist mir gottseidank bis heute erspart geblieben. (ich unterstelle Mickey brauchte das Geld.)
Jedoch gibt es Hoffnungsschimmer: Rourke hat in letzter Zeit einige interessante Nebenrollen an Land gezogen: in Sean Penns „The Pledge“ mit Jack Nicholson. In Stallones „Get Carter“.
Im Moment dreht er unter Robert Rodriguez den dritten Teil der „El Mariachi“ Trilogie: "Once Upon a Time in Mexico", zusammen mit Banderas, Johnny Depp & Willem Dafoe. Enrique Iglesis ist auch mit von der Partie, was wohl dazu führte, daß Rourke in Iglesias letzten Videoclip den Gangsterboß darstellte. (aber das ist verzeihlich, vielleicht schon fast wieder cool, wenn Mickey Iglesias am Ende erschießt :wink: )
Man darf also hoffen, daß Mr. Rourke sich vielleicht doch noch wieder aufrappelt.
Ein eigens Topic in diesem Forum hat er sich zweifelsohne verdient!
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<font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Anne am 2001-10-12 15:22 ]</font>


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. Der kettenrauchende Antistar.

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