Ich glaube der modernste und innovativste Filmemacher im gegenwärtigen Kino ist zur Zeit wohl Abbas Kiarostami.
Faszinierend ist, wie seine Filme (die eine neue Form des Kinos entwickelt haben, in der der Zuschauer zur Partizipation gänzlich gezwungen wird, weil er nur noch kleinste Hinweise bekommt, und sich selbst in den Figuren "erstellen" muss) noch immer oftmals missverstanden werden und als "extrem langweilig" oder "nichtssagend" abgetan werden. Nur wenige Kritiker, wie beispielsweise Jonathan Rosenbaum, der auch ein Buch über ihn geschrieben hat, haben den Mut, ihn als den, oder zumindest einen der größten lebenden Filmemacher zu bezeichnen. Dabei macht Kiarostami ein humanistisches Kino, das sich durch seine völlig offenen Strukturen und grandiosen Kommunikationsideen mit dem Zuschauer so wundervoll von dem anödenden Einheitsbrei der großen Studioproduktionen abheben, daß jeder Film von ihm, bei aller Schwierigkeiten und Herausforderungen, zu einem Erlebnis dahingehend wird, wie modern und ungewöhnlich Kino auch heute noch sein kann.
"Der Geschmack Der Kirsche", "Der Wind Wird Uns Tragen" und "Close-Up" zählen zu den großen Meisterwerken im Kino der 90er. Kiarostami ist noch immer nicht gänzlich entdeckt, aber irgendwann wird er auf "offiziell" auf eine Ebene mit etwa Robert Bresson gestellt werden, da bin ich mir sicher.


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